Seite:Ramdohr-Venus Urania-Band 3.2.djvu/196

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Ich finde das Bestreben, sich der Sittlichkeit, dem Interesse des Liebesabentheuers unbeschadet, möglichst zu nähern, zuerst in der Geschichte des Pierre de Provence, und der belle Maguellonne. Dieser Roman, dessen Stoff wahrscheinlich aus dem Arabischen entlehnt ist, hat zugleich in seiner Oekonomie viel von den griechischen Romanen: einen zusammenhängenden Plan, einen Knoten, der geschürzt und aufgelöst wird. Zwey Liebende werden durch einen Zufall getrennt, und nach mehreren Gefahren endlich wieder vereinigt. Der Liebhaber schwört seiner Geliebten, die letzte Gunst nicht vor eingegangener Ehe zu fordern, und er hält Wort, ob er sich gleich – ganz im Geiste der griechischen Erotiker, – kein Gewissen daraus macht, während sie in seinen Armen schläft, sie aufzuschnüren, und sich der lüsternen Beschauung ihrer geheimeren Schönheiten zu überlassen.

Beynahe in dem nehmlichen Geiste ist Gerard de Nevers, oder der Chevalier de l’Epervier, gedichtet. Auch hier ziehen zwey Verlobte das Interesse auf sich, indem sie, durch Mißverständnisse getrennt, eine Menge von Gefahren und Versuchungen bestehen, ihre Treue bewähren, und endlich wieder vereinigt werden. Die Oekonomie des griechischen Romans ist hier gar nicht mehr zu verkennen. Sogar einzelne Züge sind daraus entlehnt. Ueberhaupt zeigt dieser interessante Roman eine Kultur, die mich berechtigt, ihn hinter alle bisher genannte zu setzen, obgleich die Scene ins zwölfte[WS 1] Jahrhundert verlegt ist.

Die Franzosen scheinen sich nunmehr eine Zeitlang mit Uebersetzungen und Nachahmungen aus dem Spanischen und Italiänischen beholfen zu haben. Selbst d’Urfé

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: zwöfte