Seite:Ramdohr-Venus Urania-Band 3.2.djvu/209

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in den geistlichen Stand, den einzigen, jedoch damahls ziemlich sichern Weg, bey einigen Talenten, zu Macht, Ansehn und Reichthümern zu gelangen.

Aber Petrarka hatte nicht die nöthigen Anlagen, um sich in der politischen Laufbahn auszuzeichnen. Er suchte daher einen andern Ausweg für seine Ruhmsucht, und strebte nach litterärischem Ruf.

Was gemeiniglich verbunden zu seyn pflegt, er war zugleich eitel und sinnlich. Noch in seinem spätern Alter klagt er über ein beynahe unbezwingbares Temperament. Inzwischen erhielt eine sehr religiöse Erziehung ihn lange in den Grenzen der Zucht und der Ehrbarkeit. In Avignon rissen ihn böse Beyspiele hin, er ward ausschweifend, und um diese Zeit war es, als er Lauren kennen lernte.

Wir wissen wenig von Lauren. Man hat sogar ihre Existenz bezweifelt: man hat sie für eine allegorische Person gehalten, für den Lorber, den Preis der Dichtkunst, mit dem Petrarka in Rom gekrönt wurde, und dem er lange nachstrebte. Allein die Wirklichkeit ihrer Person, als Geliebten des Petrarka, scheint außer Zweifel zu seyn, wenn gleich die Aehnlichkeit der lateinischen und italiänischen Benennung des Lorbers, (Laurus, Lauro) und des poetischen, aus Blättern dieses Baums geflochtenen Kranzes, (Laurea) mit dem Nahmen der Geliebten, für den nach Liebe und Ruhm gleich strebenden Dichter kein unbedeutender Zusatz gewesen seyn mag. Vielleicht ist es schon dem Genius der Zeiten angemessen, daß witzige Verbindungen entfernter Verhältnisse nicht bloß gedacht, sondern gefühlt wurden. Hier lag ohnehin das Verhältniß ziemlich nah. Apollo, der Gott