Seite:Ramdohr-Venus Urania-Band 3.2.djvu/218

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mit einer Muße, welche mit der einseitigen Belustigung eines angenehm Träumenden, und zuweilen eines Entzückten die größte Aehnlichkeit hat. Seine Schwermuth hat nicht den zärtlichen Ausdruck eines Tibull, nicht die Energie einer Sappho: sie gleicht ganz der Stimmung eines Weichlings, der in der Auflösung und hinschmelzenden Abspannung seiner Kräfte das sicherste Mittel zu einem üppigen und behaglichen Zustande findet. Nie überschreitet er in seinen Klagen und Vorwürfen die Grenzen der Ehrfurcht und Demuth: er genießt in seiner Niederwürfigkeit vor dem angebeteten Gegenstande die ganze Süßigkeit, welche diesen Zustand den Schwärmern in ihren Verhältnissen zu Gott so angenehm macht. Darum ladet er uns auch nie zu peinlichen Empfindungen des Mitleidens ein. Wir halten es gern mit ihm aus, uns mit einiger Mischung von Schmerz anzapfen und dehnen zu lassen, und der Eindruck, der nachbleibt, ist im Ganzen sanfte Spannung, süße Melancholie!

Wie leicht konnte Petrarka in einer solchen Stimmung die Abwesenheit von seiner Geliebten ertragen! Beym Anblick der schönen Ufer der Loire, welche die Mauern Avignons, ihres Wohnorts, bespühlt, geräth er in die höchste Bewegung: er eilt sich ihr zu nähern. Aber kommt nur bis Lyon, und obgleich nur wenige Meilen von Avignon entfernt, bleibt er an dem ersten Orte die heiße Jahreszeit über ruhig liegen.

Petrarka fürchtet seine Geliebte durch Krankheit zu verlieren. Ueberläßt er sich verzweiflungsvoll den Empfindungen seines Unglücks? Nein! er untersucht den Platz, den sie unter den Sternen am Himmel einnehmen würde. „Stellt sie sich zwischen der Venus und dem