Seite:Ramdohr-Venus Urania-Band 3.2.djvu/253

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Fertig. Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle korrekturgelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.

Ferner hat sich dieser Einfluß der Geschlechtsverbindungen auf das handelnde Leben gewiß nicht weiter, als innerhalb der Klasse der Höflinge gezeigt, bey denen es Ton und Mode war, ihn, oft auf die abentheuerlichste Art, an den Tag zu legen.

Es gehörte nehmlich zum Ideale eines vollkommenen Ritters, für Liebe Alles dulden, Alles überwinden zu können. Dieß Ideal hatten die Romane aufgestellt: es ging in den allgemeinen Charakter der pomphaften Unterhaltungen über, wozu die Höfe den Stoff aus jenen Romanen entlehnten. Dazu kam die natürliche Folge des excentrischen Schwunges, den die Begriffe von Sittlichkeit und Anstand im Betragen gegen das schwächere Geschlecht nahmen, indem man Anbetung mit schonender Gefälligkeit, Wegwerfung mit Bescheidenheit verwechselte. Bey Tournieren, bey andern öffentlichen Gelegenheiten mußte der Höfling einer Dame dieses Hofes, die durch Stand und durch persönliche Vorzüge sich auszeichnete, seine Geschicklichkeit, seinen Muth, seine Talente zum Opfer bringen, die Zeichen seiner Weihe aus ihren Händen nehmen, sie öffentlich tragen, und endlich den Preis von ihr empfangen. Dieß Spiel, das mit dem größten Ernste betrieben wurde, ging bey mehreren Personen in Wahrheit über, und ward von ihnen selbst in den gefährlichsten Angelegenheiten des Lebens beybehalten. Man trug fortwährend die Merkzeichen, die Unterpfänder, welche die vornehme Dame ertheilt hatte, mitten im Kriege. Man ermunterte sich zur Tapferkeit durch den Gedanken an den Beyfall dieser Dame, und stritt sich um der Ehre willen, ihre Farben zu tragen. Fleuranges rief, indem er zuerst die Mauern einer belagerten Stadt