Seite:Ramdohr-Venus Urania-Band 3.2.djvu/270

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jedoch geglaubt, mit dem Eintritt dieser letzten Begebenheit, meinen Untersuchungen ein Ziel setzen zu müssen.

Das Gemählde, welches ich von dem geselligen Menschen überhaupt in der gegenwärtigen Periode liefere, gleicht auffallend dem Bilde eines einzelnen Menschen, der nicht mit ganz gewöhnlichen Anlagen geboren, lange eingezogen gelebt hat, in seiner Eingezogenheit den Verirrungen der Phantasie ausgesetzt gewesen ist, nun aber mehr unter Menschen kommt, und durch Reife und Erfahrung sein Herz und seinen Verstand stärkt und ausbildet. Anfangs pflegt er den sympathetischen Trieben und einer feineren Sinnlichkeit unter Leitung der Vernunft zu huldigen, und Anstand und Geschmack in die Freuden zu bringen, die er aus dem größeren geselligen Verkehre zieht. Aber bald wird er keck auf seine vermehrten Einsichten, überläßt sich zu sehr den geselligen Zerstreuungen, und egoistische Klugheit tritt an die Stelle derjenigen Weisheit, die alle unsere Triebe im Gleichgewicht zu erhalten sucht; oberflächliche Anmaßung, alles aus den gröbsten Ursachen zu erklären, oder völliger Unglaube verbannt die bescheidene Forschung: Zügellosigkeit aus Grundsätzen, Abneigung gegen die schönen Künste der Geselligkeit nehmen den Platz der Schamhaftigkeit und einer feineren Sinnlichkeit ein.