Seite:Ramdohr-Venus Urania-Band 3.2.djvu/293

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mit jenem warmen Temperamente ein beynahe unzertrennliches Ganze ausmacht. Noch mehr aber beweist es ihre Aufführung. Sie liefert sich mehreren Liebhabern, und endlich sogar ihren Dienstbothen nach der Reihe in die Arme. Rousseau behauptet, dieß sey ein bloßer Fehler ihres Verstandes gewesen: sie habe die Sache selbst für ganz gleichgültig gehalten, und aus dem Grunde, weil die Männer einen so großen Werth darauf legten, sie als ein Mittel gebraucht, diejenigen, die ihr angehörten, sich desto enger zu verbinden. Wer wird, wer kann dieß glauben, da R. selbst denjenigen für einen Dummkopf hält, der ähnlichen Versicherungen trauet! [1]

Sicherer geht man, wenn man der Frau von Warens sehr wenig Anlagen zur zärtlichen und leidenschaftlichen Anhänglichkeit, und zugleich sehr grobe Grundsätze über den Werth des unnennbaren Genusses beylegt. Dieser wird dann zum sinnlichen Bedürfnisse, oder zu einem Vergnügen, woran Seele und Herz keinen, oder sehr geringen Antheil nahmen. Weiber, die sich viel mit Wissenschaften, Geschäften, Experimenten und Künsten abgeben, welche eigentlich außer dem Kreise ihres Geschlechts liegen, kommen sehr leicht zu dieser Denkungsart. Ihre Seele ist, wie sie glauben, zu etwas Wichtigerem bestimmt, als der Leidenschaft der Liebe zu huldigen, und sie suchen


  1. Man vergl. eine Note im 5ten Buche des Emil: Je sais, que les femmes, qui ont ouvertement pris leur parti sur un certain point, prétendent bien se faire valoir de cette franchise, et jurent, qu’à cela près il n’y a rien d’estimable, qu’on ne trouve en elles. Mais je sais bien aussi, qu’elles n’ont jamais persuadé cela qu’à des Sots.