Seite:Ramdohr-Venus Urania-Band 3.2.djvu/47

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guten Tons[WS 1] für allgemeine Menschenliebe, und Anerkennung des Menschenwerths in unserm egoistischen Jahrhunderte. Jene excentrische Liebe hat nie existiert, außer in Romanen, und sollten einige Schwärmer sie in der wirklichen Welt zur Anwendung gebracht haben, so giebt dieß mehr einen Beweis von der Verirrung ab, zu der sich der menschliche Verstand hinreißen lassen kann, als von der Veredlung, deren das Herz und die Liebe fähig sind. Spitzfindigkeit der Ideen ward mit Zartheit der Gefühle, Abentheuerlichkeit der Gesinnungen mit Größe verwechselt; Schwulst im Ausdruck galt für Erhabenheit, Plattheit für Naivetät. Die Natur ward in einen erschwerten Streit mit einer konventionellen Tugend verwickelt, deren Blende beyde das Laster und die Schwäche nutzten, jenes um die Unschuld desto sicherer zu berücken, diese um das Willkührliche des Fehltritts von sich abzuwälzen.“

Gleich entfernt von Schwärmerey und Spottsucht, suche ich Billigkeit und Behutsamkeit bey der Beurtheilung dieses geselligen Verhältnisses zu üben! Ich unterscheide die Zeiten: ich unterscheide die Denkungsart des Pöbels von der guten Sitte, und beyde von dem Ideale, das einige Edle in ihrem Umgange und in ihren engeren Verbindungen mit dem schönen Geschlechte vor Augen gehabt haben: ich unterscheide besonders das Bestreben, sich diesem Ideale zu nähern, von der wirklichen Ausfüllung desselben. [1]


  1. Ich habe über den ersten Ursprung des Worts Galanterie aller Nachforschung ungeachtet keinen Aufschluß erhalten können. Ich selbst habe es in keinem Werke gefunden, dessen Verfertigung über das sechzehnte Jahrhundert hinauszusetzen [48] wäre. Herr Hofrath Eschenburg, an den ich mich um eine Aufklärung über diesen Punkt gewandt habe, hat mir folgende interessante Antwort ertheilt: „Ueber die eigentliche Entstehungszeit des Worts „Galanterie“ weiß ich Ihnen doch, nach allem Nachsuchen, keine gewisse Auskunft zu geben. In der Provenzalsprache aber war es wohl ganz gewiß nicht“ (Millot braucht es in einigen Uebersetzungen der provenzalischen Gedichte; da er die Originale aber nicht beyfügt, so kann man nicht beurtheilen, ob es sich in diesen findet.) „Auch habe ich, fährt Herr Eschenburg fort, des bekannten Alain de Chartrier Gedichte durchblättert. Von Courteoisie und Loyauté fand ich genug darin; aber das Wort Galanterie nirgends; selbst das Wort galant nicht. Dieß letztere soll indeß nach Patru in einer Note zu den Remarques de Vaugelas T. 3. p. 150. im Roman de la Rose vorkommen. Er führt zum Beweise die Stelle gegen das Ende des Romans an: Quand la douce saison viendra, Seigneurs galants qu’il conviendra. In meiner Ausgabe dieses Romans (Amstr. 1735 3 vol. 8.) steht aber seigneurs valets – – Menage hat Allerley über den etymologischen, nicht aber historischen Ursprung des Worts. Von dem sel. Reiske steht eine Abhandlung vom Urspr. des Worts Gala in den Schriften der Leipz. Ges. d. fr. Künste B. 3. S. 3. ff. wo er das Wort für arabisch hält, und von Challah, Feyerkleid, herleitet. Möglich indeß, daß gala und galant nichts mit einander gemein haben. [49] Aus den Ritterzeiten hat dieß letztere Wort wohl gewiß seinen Ursprung. Im Englischen hat sich der Begriff tapfer von gallant als Hauptbedeutung erhalten.“

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: hinter Tons steht ein Komma (siehe Verbesserungen)