Seite:Ramdohr-Venus Urania-Band 3.2.djvu/74

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Fertig. Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle korrekturgelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.

und geselliger Unterhaltung abzweckenden Verständnisses mit Damen von hohem Stande und unbescholtenem Rufe an sich tragen, und unter Bewahrung dieses Scheines würden diese Verbindungen sogar öffentlich zur Schau ausgestellet werden können. Wir wollen nun sehen, ob die Begriffe der damahligen Zeit wirklich mit derjenigen Darstellung übereintreffen, die wir jetzt nach der bloßen Wahrscheinlichkeit entworfen haben.


Fünftes Kapitel.
Ideen der provenzalischen Dichter über diesen Gegenstand. Vorläufige Untersuchung der Frage: woher ihr Geschmack seine Bildung zunächst erhalten habe.

Die nördlichen Länder von Europa haben eben sowohl wie die südlichen von frühen Zeiten her Dichter gehabt, die bald mehr bald weniger diesen Nahmen verdient haben. Sie bewahrten die Thaten der Vorzeiten in ihren Gedichten auf, ermunterten zum Streit in der Schlacht und zur Fröhlichkeit bey Gelagen. Oft vereinigten diese Dichter alle diejenigen Talente in sich, die zur Belustigung roher Völker dienen: Sie deklamierten mit einer gewissen Mimik: sie waren Musikanten, Possenreißer, Taschenspieler, u. s. w. Oft aber hatten sie auch besondere Personen in ihrer Begleitung, welche die Deklamation ihrer Gedichte durch Ausübung dieser Künste unterstützten. [1]


  1. Daher ihre verschiedene Nahmen. Sie hießen bald Inventores, Trubadores, Trouverres; (eigentliche Dichter,) [75] bald Joculatores, Mimi, Cantores, Chanteurs, Conteurs, Jongleurs, Singer, – (eigentliche mimische Declamateurs) – bald Ministeriales, Ménestriers, Minstrells, Fiedler, (eigentliche Musiker, welche die abgesungenen Lieder mit blasenden und Saiten-Instrumenten begleiteten.) S. histoire litteraire des Troubadours, vom Abbé Millot, T. 1. discours preliminaire, und dann besonders den Article Giraud Riquier im dritten Theile p. 329. worin dieser Troubadour selbst die verschiedenen Nahmen angiebt, und sie nach Rang und Würden ordnet. Im gemeinen Leben nannte man sie bald mit diesem bald mit jenem Nahmen, welches aber die eigentlichen Troubadours sehr ungern sahen. Die ältesten Geschichtschreiber nannten sie Mimos, Mimen. Witichind S. 636. beym Schmidt, Geschichte der Deutschen p. 373. Es ist eine ganz unerwiesene Behauptung, welche der Herr Hofrath Eichhorn in der Geschichte der Kultur des neuern Europa in den Erläuterungen und Beweisen p. 49. äußert, daß sie von Adel gewesen, und ihren Nahmen „Menestriers, Minstrells,“ von der lateinischen Benennung des Dienstadels, „Ministeriales,“ erhalten hätten. Die hist. des troubadours zeigt, daß sehr viele unter ihnen von geringem Stande gewesen sind, und die Benennung „Menestrier,“ welche offenbar davon herkommt, daß sie dem Talent der Deklamateurs und Sänger behülflich waren, diesen accompagnierten, (ministrare,) war an sich verächtlich, und ward von den Troubadours nicht gern angenommen. S. den angeführten Giraud Riquier in der hist. des troubad. T. 3. p. 329. und Velly hist. de France. T. 3. p. 239. Du Cange Dissert. V. sur Joinville nennt sie quasi parvos ministros, – petits officiers de l’hôtel du Roi.