Seite:Ramdohr-Venus Urania-Band 3.2.djvu/90

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Bald mußte nun auch die Idee entstehen, daß man nur durch ausgezeichnete Vorzüge die Gunst der Dame verdienen, und wenn die Verbindung einmahl gegründet wäre, sie durch Ausbildung dieser Vorzüge ehren müsse. Pierre Roger führt in einem seiner Gedichte die Liebe redend ein; sie ermuntert ihn, durch ausgezeichnete Vorzüge sich den Reitzen einer Dame würdig zu machen, die an Rang und Verdiensten so weit über ihn erhaben sey. Vaqueiras, Sohn eines armen Ritters, liebt eine Dame von großem Stande. „Seyd mir willkommen,“ läßt er die Dame in einem seiner Gedichte zu ihm sagen, „seyd mir willkommen; sucht immer mehr Werth zu erlangen in Worten und Werken! Habt ihr jemahls gesucht liebenswürdig zu seyn, um geliebt zu werden, so verdoppelt jetzt eure Bemühungen!“ Blancas spricht in eben diesem Geiste: „das Verdienst allein giebt ein Recht, von der schönsten Dame geliebt zu seyn!“ „Wenn ich einigen Werth habe,“ sagt Carbonel, „wem verdank’ ich es, als meiner Dame?“

Ganz nahe lag nunmehro auch die Idee, daß der Liebhaber, der den Ruhm seiner Dame beförderte, und durch ihre Auszeichnung berühmt wurde, sich mit diesem Lohne begnügen, und ihr nicht solche Gunstbezeugungen abfordern dürfe, die ihrer Unschuld und ihrem Rufe gefährlich werden könnten. „Du, der du nach Verdienst strebst,“ singt Montagnagout[WS 1], „baue deine Hoffnung auf Liebe; sie erhebt uns zu großen Thaten, sie ladet uns zu einer anständigen Aufführung ein: sie verscheucht den Verdruß und ermuntert zur Freude. Wer liebt, der hintergeht nicht! Du liebst nicht, du verdienst keine Gegenliebe,

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: Montagnogout (siehe Verbesserungen)