Seite:Seifenblasen-Kurd Laßwitz-1890.djvu/123

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Fertig. Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle korrekturgelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.

freuten sich nicht wenig über die Einladung. Nur war auch ihnen es schwer, die Namen der neun Musen zu behalten; so hörte man sie überall vor sich hinmurmeln; Klio, Melpomene, Terpsichore, Thalia, Euterpe, Erato, Urania, Polyhymnia, Kalliope. Endlich baten sie den Simonides um einen Merkspruch, und der stellte ihnen die Anfangssilben zu folgendem reizenden Verschen zusammen:

Kliometerthal,
Euer Urpokal!

Hieraus kann man das Alter dieser Regel erkennen. Nun waren die Weisen vergnügt, und des Abends im Kegelklub schoben sie bloß noch alle Neune.

Als der Gesellschaftsabend herannahte, begann es den beiden älteren Damen Klio und Urania doch leid zu werden, daß sie so kurzweg auf ihre Herren verzichtet hatten, und sie nahmen sich im Stillen vor, ihre Kolleginnen auszustechen. Klio repetierte noch einmal die Solonschen Gesetze, um sich dem Verfasser gegenüber keine Blöße zu geben, und Urania, welche es auf Thales abgesehen hatte, versicherte wiederholt, daß das Wasser der Ursprung aller Dinge und der Peripherie-Winkel im Halbkreise ein rechter sei. Infolgedessen entstand zwischen ihnen und den übrigen, welche selbstverständlich die Absicht merkten, eine leise Spannung, und bei allen ein gelindes Mißbehagen, weil jede bei sich fürchtete, gerade unter den beiden zu sein, welche notwendig sitzen bleiben mußten.

Der erwartete Abend fand die Musen und Klio’s

Empfohlene Zitierweise:
Kurd Laßwitz: Seifenblasen. Leopold Voß, Hamburg und Leipzig 1890, Seite 123. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Seifenblasen-Kurd_La%C3%9Fwitz-1890.djvu/123&oldid=- (Version vom 20.8.2021)