Seite:Seifenblasen-Kurd Laßwitz-1890.djvu/255

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hat, und die ich daher hier zu erwähnen nicht unterlassen will; ich muß aber ausdrücklich bemerken, daß weder ich, noch mein Freund, sondern ein mir unbekannter Freund dieses Freundes die fragliche Entdeckung gemacht hat, daß ich auch nicht weiß, ob dieselbe nicht vielleicht schon irgendwo veröffentlicht ist, und daß ich genauere Quellen nur darum nicht anführe, weil ich sie nicht ermitteln konnte. Nach dieser Ansicht ist nämlich die Welt nichts Anderes als ein Schweizerkäse, und wir Menschen sind die Löcher darin. So wahrscheinlich diese Hypothese ist, so müßte ich sie, wie das unter Metaphysikern üblich ist, doch schon darum energisch bestreiten, weil ich sie nicht selbst aufgestellt habe. Aber ich bin imstande, die Richtigkeit derselben mit einer kleinen Änderung zu beweisen; ich behaupte nämlich, die Welt ist kein Schweizerkäse, sondern absoluter Käse schlechthin; und die Menschen sind keine Löcher, sondern die Menschheit ist das absolute Loch als solches schlechthin.

Schon in den uralten indischen Geheimvedas sagt der ehrwürdige Oberbrahmine Wischtanischtarumnubummarappaltasdaja:

„Wäre die Welt
Bodenlos
Auch nicht zerschellt
Als Käsekloß,

So wäre das Nichts
Immer doch
Am Himmel des Lichts
Ein großes Loch.“


Die Deutung ist klar. Die Welt ist Käse, aber sie ist zugleich — und das ist der Tiefsinn, welcher das ziemlich unästhetische Bild zur metaphysischen Wahrheit symbolisiert — die Welt, als Käsekloß, ist „bodenlos“

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Kurd Laßwitz: Seifenblasen. Leopold Voß, Hamburg und Leipzig 1890, Seite 255. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Seifenblasen-Kurd_La%C3%9Fwitz-1890.djvu/255&oldid=- (Version vom 20.8.2021)