Seite:Spiegel Maerchen aus Bayern.djvu/14

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In dem Wirtshause blieb der Soldat eine Zeit lang wohnen. Einmal brannte er wieder sein Lichtlein an, da kam auch „der Alte“ (= der Teufel, der eiserne Mann) und fragte, was sein Begehren sei. Der Soldat sagte: „Du hast in Deiner Höhle eine kleine Violine („Fighline“), hole mir die kleine Violine.“ Morgens beizeit öffnete der Soldat das Fenster und machte auf der Violine Musik. Die Königstochter hörte die Musik und hätte gern die Violine gehabt. Sie schickte zu ihm und ließ fragen, ob er die Violine nicht verkaufe. Er aber antwortete: „Nein, verkaufen tue ich sie nicht, doch wenn die Königstochter zu mir hereingeht, so gebe ich ihr die Violine ohne Geld.“ Da verkleidete sie die Kammerjungfer und schickte sie hinein zum Soldaten. Der gab ihr auch die Violine. Mit dem Wirt hatte er jedoch abgemacht gehabt, daß er, wenn es die Königstochter sei, ein Zeichen gebe; wenn sie es aber nicht sei, kein Zeichen mache. Eine Zeit lang darnach brannte der Soldat wieder sein Lichtlein an. Da kam der eiserne Mann und der Soldat befahl ihm, er solle die zweite Violine aus der Höhle bringen. Er tat es. Der Soldat öffnete früh das Fenster und machte wieder Musik und die zweite Violine lautete gar viel schöner als die erste. Die Königstochter hätte die nun auch gern gehabt. Sie schickte hinein zum Soldaten, ob die Violine nicht verkauft würde. Der Soldat sagte wie das erstemal, sie würde nicht verkauft, wenn aber die Königstochter hereingehe, so bekäme sie die Violine ohne Geld. Da verkleidete sie die Kammerjungfer wieder und schickte sie hinein. Und der Soldat gab auch die zweite Violine der Kammerjungfer.

Er wartete nun eine Zeit lang, dann brannte er sein Lichtlein wieder an. Der eiserne Mann kam und da sagte der Soldat, er solle ihm die dritte Violine bringen. Als es Tag geworden war, machte der Soldat die Fenster auf und spielte auf der Violine. Die aber lautete so schön, daß die zwei anderen nichts gegen sie waren. Die Königstochter hätte diese auch noch einmal gern gehabt und schickte die Kammerjungfer wieder hinein. Der Soldat aber sagte, sie sei die Kammerjungfer, die Königstochter solle kommen. Sie ging heim und richtete aus, er habe gesagt, sie sei die Kammerjungfer und bekomme die Violine nicht. Er sei aber ein sehr braver Mann, die Königstochter solle nur hineingehen und die Violine holen. Als die Königstochter kam, gab der Wirt ein Zeichen. Der Königstochter gab er die Violine, aber ein halbes Jahr darnach hieß es, sie bekäme ein Kind. Man fragte, von wem? Da sagte man: Von dem Passagier („Padischär“), der da und da wohnt. Der Wirt teilt dem Soldaten mit, er solle sich vorsehen, er würde abgeholt und sagte ihm auch die Zeit, wann es geschehe. Da brannte der Soldat sein Lichtlein an. Als der eiserne Mann kam, sprach er zu ihm: „Du bleibst jetzt da und hilfst mir, sie wollen mich morgen holen.“ Als die Gendarmen („Standarmen“) kamen und ihn holen wollten, stand der eiserne Mann auf der Stiege und wackelte mit dem Kopfe. Da fielen sie die Stiege herunter und waren tot. Jetzt wurde Verstärkung („Verstärkering“) geholt; es war aber gerade wieder so; als er droben wackelte, fielen sie herunter. Dasmal konnten sie dem Soldaten nichts anhaben. Nun

Empfohlene Zitierweise:
Karl Spiegel: Märchen aus Bayern. Selbstverlag des Vereins für bayrische Volkskunde und Mundartforschung, Würzburg 1914, Seite 12. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Spiegel_Maerchen_aus_Bayern.djvu/14&oldid=3390706 (Version vom 1.8.2018)