Seite:Spiegel Maerchen aus Bayern.djvu/25

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Kirschbaum un will erstick.“ Aber es Brünnle hat gsagt: „Hühnle, erst mir e Züberle hol!“ Da is es Hühnle zum Büttner gsprunge un hat gsagt: „Büttner, mir e Züberle geb, Züberle ich em Brünnle geb, Brünnle mir e Wasserle geb, Wasserle ich em Gökerle geb; s Gökerle sitzt drobn Kirschbaum un will erstick.“ Aber der Büttner hat gsagt: „Hühnle, erst mir mei Stiefeli hol.“ Da is es Hühnle zum Schuster un hat gsagt: „Schuster, mir di Stiefeli geb, Stiefeli ich’m Büttner geb, Büttner mir e Züberle geb, Züberle ich’m Brünnle geb, Brünnle mir e Wasserle geb, Wasserle ich meim Gökerle geb; s Gökerle sitzt drobn Kirschbaum un will erstick.“ Da hat der Schuster gsagt: „Hühnle, erst meiner Braut en Brautkranz hol.“ Da is es Hühnle zum Gärtner gerennt un hat gsagt: „Gärtner, mir en Brautkranz geb, Brautkranz ich em Schuster geb, Schuster mir di Stiefeli geb, Stiefeli ich em Büttner geb, Büttner mir e Züberle geb, Züberle ich’m Brünnle geb, Brünnle mir e Wasserle geb, Wasserle ich meim Gökerle geb; s Gökerle sitzt drobn Kirschbaum un will erstick.“ Un der Gärtner war e guter Mann un hat em Hühnle den Kranz glei gebn. Da is es Hühnle mit zum Schuster gsprunge un hat die Stiefeli dafür kriegt un mit di Stiefeli is zum Büttner; der hat em das Züberle dafür gebn un mit’m Züberle is zum Brünnle, das hat em Wasserle gebn un mit’m Wasserle is nauf’n Kirschbaum un wollts’m Gökerle geb: aber das war scho dod.

Da hats Hühnle gar arg geweint un nacher sin sechs weiße Mäusli komme, di habns Gökerle aufs Kütschle gelegt un sin davon gfahrn. Un wie se über e Bergle komme, da sin di Mäusli gstolpert un es Wägele is umgfaln un em Gökerle is auf di Art es Kernle, das in seim Hälsle gsteckt hat, loskomme un is widder lebendi worrn. Un drauf sin se lusti un fidel weiterkutschiert.

Un e Mäusle hat den Aufzug gsehn un hat so drüber lach müß, daß’m s Bäuchle geplatzt is. Un da is es zum Schuster gelaufn un hat zune gsagt: „Schuster mir mei arms Bäuchle flick!“ Un der hat a glei sein Draht genomme un hats’m gflickt. Nacher hat er gsagt: „Ja, Mäusle, was haste denn gemacht?“ Un es Mäusle hat em di ganze Gschicht verzehlt.

Jetz is es Gschichtle aus,
Drobn Kirschbaum läfft e Maus,
Hat e blau’s Käpple auf
Un e rots Dölle drauf.


Aufgeschrieben durch Herrn Fr. Beyschlag aus Schweinfurt, (damals) stud. philol.; dem Verein übergeben am 23. 9. 1896. (Urschrift.)

b) Dem Hähnchen droht der Tod durch einen Nußkern.
(Oberpfalz: Amberg.)

A mal gingen a Hennerl und a Hannerl spazieren am Berg in Nußkern. Da hat s Hannerl z’erscht an Nußkern gfunden und hat n schnell verschluckt, damit s Hennerl nix kriegt davon. Derweil is ihm der Nußkern im Hals stecken blieben und er mußte zur Strafe ersticken. Da is

Empfohlene Zitierweise:
Karl Spiegel: Märchen aus Bayern. Selbstverlag des Vereins für bayrische Volkskunde und Mundartforschung, Würzburg 1914, Seite 23. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Spiegel_Maerchen_aus_Bayern.djvu/25&oldid=- (Version vom 1.8.2018)