Seite:Sponsel Grünes Gewölbe Band 2.pdf/10

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Verfahren der „Feuervergoldung“ ausgedehnten Gebrauch gemacht, erst das 19. Jahrhundert hat es durch andere, billigere und nicht gesundheitschädliche Verfahren ersetzt. Während das Gebrauchssilber, das regelmäßig gereinigt wird, auch heute noch unvergoldet hergestellt wird, sind kunstvollere Arbeiten aus Silber, die zugleich auch als Schmuckstücke dienen sollen, zumeist ganz oder teilweise vergoldet worden. Eine häufigere Ausnahme hiervon machen nur in Silber getriebene oder gegossene Figuren. Wollte man nun goldenen Stücken oder den vergoldeten Silberwerken noch besonderen farbigen Schmuck verleihen, dann geschah dies, indem entweder Edelsteine in ihren Fassungen oder farbig emaillierte Teilstücke aufgesetzt wurden, dann wieder indem eingegrabene Verzierungen mit verschiedenfarbigem Glasschmelz ausgefüllt wurden. Weniger häufig wurde auch Hinterglasmalerei als farbiger Schmuck des vergoldeten Silberwerks verwendet. Silbervergoldete Geräte und Gefäße, die über den bloßen Gebrauchszweck hinaus auch zumeist als Schaustücke hergestellt wurden, erhielten ihre Verzierung in der Regel nur durch Treibarbeit und Punzierung, durch Ätzung und Gravierung. Daneben ist auch seit dem 16. Jahrhundert eine Anzahl solcher Werke durch Vereinigung mit Münzen und Medaillen ausgeschmückt worden.

Das früheste Beispiel dieser alleinigen Verwendung edlen Metalls bietet im Grünen Gewölbe die goldene 802 Gramm schwere Trinkschale des Humanisten Augustin Kesenbrot von Olmütz von 1508. Tafel 1. Diese der Form der antiken Patera nachgebildete Schale mit kurzem Fuß hat nicht nur in der Mitte des Innern eine große goldene Medaille mit einem geflügelten Genius, dessen Kult die Schale laut Umschrift gewidmet ist, sondern auch in zwei Reihen ringsherum 22 eingesetzte Goldmünzen, deren Vorderseiten im Innern der Schale die Köpfe römischer Kaiser zeigen, während ihre Rückseiten der Außenseite der Schale zugewendet sind. Diese Verwendung der antiken Goldmünzen ist ein Zeugnis der Verehrung der deutschen Humanisten für das römische Altertum, dessen klassische Literatur von ihnen eifrigst gepflegt wurde. Sie bedienten sich ja auch in ihren Briefen und Unterhaltungen der lateinischen Sprache, ebenso in ihren gelehrten Schriften und Dichtungen, in der Überzeugung, daß man ins Heiligtum der Wissenschaft nur durch die Pforte der lateinischen Sprache gelangen könne. Der Enthusiasmus der deutschen Humanisten für die durch die klassische Literatur zu erwerbende höhere Bildung, dem der Jubelruf Ulrichs von Hutten: „O Jahrhundert, die Geister erwachen,