Seite:Sponsel Grünes Gewölbe Band 2.pdf/44

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Fertig. Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle korrekturgelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.

Buckelpokalen, gelegentlich durch Ranken verkleidet, deren Formen öfter von der Renaissance abgeleitet sind. Einen schwächlichen Eindruck macht aber der Schaft. Dieser ist zumeist ein Baumstamm, bei dem auf dem gewölbten, gelegentlich mit kleinen Waldtieren besetzten Boden des Fußes ein Winzer steht. Auch der Baumstamm ist meist oben von Ranken umgeben, teils Renaissanceranken, teils gotisierende Akanthusranken, die auch die Verbindungsstelle des Schaftes mit dem Gefäßkörper umkleiden, hier manchmal in unbeholfener Weise und in unorganischem Zusammentreffen beider Pokalteile. Der größere der drei auf Tafel 16 abgebildeten Traubenpokale, ein Werk des Nürnberger Goldschmieds Hanß Beutmüller, Meister 1588, ist das früheste und beste Werk dieser Art im Grünen Gewölbe. Die beiden kleineren, von seinem Landsmann Paul Bair, Meister 1613, ausgeführt, haben größere Schwächen am Schaftansatz. Die Herstellung eines solchen Pokals verlangt mühevolle exakte Arbeit. An den Winzerfiguren am Schaft scheint schon der Sinn dafür verlorengegangen, daß solche Figuren als Ersatz des Schaftes als Träger des Gefäßkörpers eingeführt worden waren, wofür im 1. Band mannigfache Beispiele zu sehen sind. Es war dabei nicht immer geglückt, die Gestalt in annähernd richtiges Verhältnis zu bringen zu der größeren getragenen Gefäßform. Ein Beispiel, wie dies besser gelungen ist, bietet der kleine Pokal auf Tafel 17, 1, dessen Gefäß von einem Putto auf dem Kopf mit natürlicher Unterstützung des einen erhobenen Armes getragen wird. Das Gefäß selbst besteht aus rotem Jaspis. Die gegossene Knabenfigur ist von großer Anmut der weichen Körperformen und natürlicher Haltung und Bewegung. Wenn eine urkundliche Notiz über eine Lieferung von Daniel Kellerthaler zu Recht mit zwei silbernen gegossenen Christuskindern (Inv. IV, 194 und 266), die jenem Putto verwandt sind, in Zusammenhang gebracht wird, dann hätten wir wohl in diesem Pokal noch eine Arbeit des hervorragenden Dresdner Meisters zu erkennen.

Den letzten Ausklang jener gotisierenden Richtung zeigt der in die gleiche Zeit der Entstehung zu versetzende Pokal der Dresdner Goldschmiedeinnung auf Tafel 17, 2. Der Vergleich mit dem Ageleybecher auf Tafel 11, 1 lehrt, daß diese Form dem Verfertiger vor Augen stand, daß er aber bestrebt war, die in gotischen Buckelpokalen enthaltene formbildende Spannung der Wölbungen zu erreichen. Das hat ihn auch veranlaßt, die aufstrebende Bewegung noch in dem Deckel besser ausklingen zu lassen, indem er deren Unterbrechung durch einen überstehenden Deckelrand vermied und die Spannung der Fischblasen