Seite:Sponsel Grünes Gewölbe Band 2.pdf/94

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Schwager, dem Kurfürsten Christian I. v. Sachsen, die Bestellung und Erwerbung des Spiegels, dessen Vollendung sich jahrelang hinzog, besorgt hat. Er hat wohl auch dann die Bezahlung vermittelt.

Wir wissen nun von Anton Eisenhoits Leben nicht allzuviel. Er ist zu Warburg in Westfalen 1544 zur Welt gekommen, hielt sich nach Ausweis seiner Kupferstiche längere Zeit in Rom auf, von wo er seine ausgezeichnete Schulung als Silberschmied und seine vollendete Herrschaft über die Formen menschlicher Körper und des Ornaments mit nach Deutschland zurückbrachte. Im Jahre 1585 wird er durch Kupferstiche als wieder in Deutschland tätig nachgewiesen. Damals mag er auch dem Herzog Heinrich Julius, dem Bischof von Halberstadt, seine Dienste angeboten haben und ihm die Feldapotheke angefertigt haben, die später nach Dresden kam. Dann hat er von 1588 bis 1590 die auf Schloß Herdringen in Westfalen befindlichen sechs Altargeräte für den Fürstbischof von Paderborn, Theodor von Fürstenberg (1546–1618) ausgeführt, einen Kelch von 1588, ein Kruzifix von 1589, einen Weihwasserkessel mit Wedel und die Deckel zweier Meßbücher. Da diese gesicherten Werke nicht gestempelt sind, so hat es den Anschein, daß er hierbei als in fürstlichen Diensten der Zunft nicht unterworfen war, falls überhaupt in Warburg oder an dem Ort seiner Tätigkeit eine solche Zunft bestand. Dasselbe würde dann auch für die beiden nicht gestempelten Dresdner Werke, die Feldapotheke und den Wandspiegel, zur Erklärung dienen.

Ebenso wie an den Deckeln der beiden Meßbücher, bei denen doch die Buchform bestimmte Grenzen setzte, hat der Rahmen des Spiegels einen übergroßen Formenreichtum. Was dort nur in flachem Relief dargestellt werden konnte, ist hier in halbrunden Figuren geleistet. Dabei ist doch das architektonische Gerüst des Ganzen wohl erkennbar. Dieses hat die Gestalt der damals in ähnlichem Reichtum entwickelten Wandepitaphien. Was alles an Figuren in dieses Gerüst hineingesetzt ist, das macht einen sehr kriegerischen Eindruck, der allegorische Sinn des Ganzen, der noch zu besprechen ist, ist in den einzelnen Szenen nicht allenthalben klar ausgedrückt. Wichtiger war dem Künstler, sein Gestaltungsvermögen so reich und mannigfach als nur möglich zur Erscheinung zu bringen. Da ist unten in einer Schlußvignette das Parisurteil, als Ursache des Kriegs, schon von stark bewegten Ranken umfaßt, aus deren seitlichen Schnecken Adlerköpfe hervorwachsen. Ähnliche schneckenartige seitliche Abschlüsse bilden am Gurtgesims Platz für sitzende antike Krieger, am Kranzgesims