Seite:Sponsel Grünes Gewölbe Band 3.pdf/123

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Körperteile der Form der Perlen ungezwungen angepaßt erscheint. In der Gruppe unten auf derselben Tafel war der Goldschmied frei von solchem Zwang. Hier handelte es sich für ihn lediglich darum, für einen größeren und drei kleinere Smaragde, die durch ein eigenartiges Naturspiel mit vielen Buckelungen versehen waren, noch eine solche Verwendung zu finden, die ihren Wert nicht beeinträchtigt, ja womöglich noch höher erscheinen ließ. Das ist ihm auch nicht minder gut geglückt, da sich der bibelfeste Mann der Erzählung im 13. Kapitel des vierten Buchs Mose erinnerte, wo Moses auf das Geheiß des Herrn Kundschafter in das den Israeliten gelobte Land Kanaan schickte. „Und sie kamen bis an den Bach Eskol und schnitten daselbst eine Rebe ab mit Einer Weintraube und ließen sie zween auf einem Stecken tragen, dazu auch Granatäpfel und Feigen.“ Und da sie das Land erkundet hatten, kamen sie zurück zu der ganzen Gemeinde der Kinder Israel und ließen sie die Früchte des Landes sehen. Diese Kundschafter Josua und Kaleb, die an einem Stecken die Früchte des Landes Kanaan tragen, deren Größe uns durch ihr Verhältnis zu den Figürchen anschaulich gemacht wird, hat Ferbecq auf einen geschweiften Sockel gestellt, an dessen Verzierung er sich noch auf anderen Gebieten in vollkommenster Weise bewandert zeigt. Der aus rechteckigem Grundriß in verjüngter Schweifung ansteigende Sockel hat an der Vorderseite ein Emailgemälde, an den drei übrigen Seiten ist er in ausgezeichneter sauberer Arbeit mit Ornamenten ausgestochen. Auffallenderweise hat das Emailgemälde des Sockels keinen inhaltlichen Zusammenhang mit der Figurengruppe obenauf, wofür er unschwer eine passendere Darstellung hätte finden können, als den in einer arkadischen Landschaft gezeigten Triumph der Diana. Das Bild selbst ist ihm aber so gut gelungen, daß man darin höhere künstlerische Qualitäten zu erblicken hat, als in den beiden Kundschaftern. Auf der Abbildung tut es deren Würdigung einigen Abtrag, daß es auf einer gewölbten Fläche dargestellt ist. Das kommt im Original nicht so zur Geltung, der Emailmaler hat spielend diese Schwierigkeit überwunden. Ferbecq hatte offenbar eine Vorliebe für diese Art von Sockeln, wir finden sie im Grünen Gewölbe mehrfach wieder, ja wir sehen solche Sockel auch bei Arbeiten, die sicher der Dresdner Goldschmied Johann Heinrich Köhler geliefert hat, so auf Tafel 45 rechts. Dort ist eine kleine aus Jaspis geschnittene Frauenbüste auf einen ganz gleichartig gebildeten und verzierten kleineren Sockel gestellt, der ganz im Verhältnis zu der Büste steht.