Seite:Sponsel Grünes Gewölbe Band 3.pdf/146

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sondern auch zu beiden Seiten an Festons am Rand der Schale auf kleinen ovalen Medaillon-Scheiben aufgemalt. Doch die wichtigste Zutat daran hatte dieser zu liefern auf der Rückseite des nach vorn gekehrten ovalen Spiegels, die mit dem gemalten Brustbildnis Augusts des Starken besetzt ist. Nicht nur hierdurch dient die Zierschale zur Verherrlichung des „Sächsischen Herkules“, sondern auch durch die Hinweise auf seine Orden, so in dem Elefantenrüssel über dem Drachenkopf der Schale auf seinen Dänischen Elefantenorden, sowie in den beiden weißen Adlerköpfen zu dessen Seiten und auf der Rückseite dem weißen Adler auf den darunter hängenden Stern des polnischen Weißen Adlerordens, den er 1705 gestiftet hatte. Das Emailbildnis ist eine Arbeit Georg Friedrich Dinglingers. Der Schaft der Zierschale besteht aus verschlungenem Bandwerk, das auf der Rückseite sichtbar wird, während es vorn meist verdeckt wird von dem Körper eines kopfüber hängenden erlegten Drachens, der ganz mit Smaragden, Perlen und einem Karneol ausgefaßt ist, ein Hauptwerk des Juweliers, das die mancherlei Einzelheiten des Schaftes in einer S-förmig geschwungenen Windung beherrscht und zusammenfaßt. Auf der Schale selbst ist das Hauptstück des Ganzen der über dem Drachenkopf mit dem Löwen kämpfende Herkules, eine lebendig erfaßte emaillierte Gruppe, bei der Dinglinger wieder für einzelne Teile der Gestalt des Herkules monströs gebildete Perlen verwendet hat. Davon ist die größte verkrüppelte Perle für den Rücken des Herkules passend gefunden worden, und damit der Beschauer ja nicht versäume, dieses allenthalben wahrzunehmen, ist hinter der Gruppe jener ovale Spiegel aufgestellt. Das hat nun wieder dazu veranlaßt, dessen Rückseite für das Bildnis zu verwenden, dem Rahmen die Königskrone aufzusetzen, weiter aber auch die ganze Rückseite auf das reichste zu verzieren. Das alles mag überladen sein, doch wird das Auge von jeder Einzelheit gefesselt und man kann der Erfindung der einzelnen Motive, wie nicht minder ihrer überaus künstlerischen Ausführung die Anerkennung nicht versagen.

Die im nächsten Jahr 1713 vollendete kleinere Schale des ruhenden Herkules auf Tafel 50, die, wie erwähnt, M. Dinglinger auch selbst ausgeführt hat, ist im allgemeinen in gleicher Komposition entwickelt, doch wird der Schaft nicht wie dort durch ein Hauptmotiv beherrscht, er erscheint durch seine gehäuften Einzelmotive unruhiger. Ähnlich wie bei dem Kinderbacchanal ist hier in der Mitte eine verkrüppelte Perle verwendet, die als Hirschkopf zu dienen hat, der den ganzen Aufbau des Schaftes bestimmte, indem für ihn