Seite:Sponsel Grünes Gewölbe Band 3.pdf/45

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Bei dem Kleinod des Erzengels Michael auf Tafel 8, 5 ist an der Rückseite noch ein Steg vorhanden. Es war also doch mit Rückwand als Anhänger gemacht, dafür spricht auch die Bewegung der Klauen des Satans, auf dessen Rücken der Erzengel steht. Der Holzsockel, auf den später die Gruppe gestellt wurde, hat mit ihr nichts gemein. Zu dem Körper des Drachen wurde die eigenartige Naturform von mit vielen Buckeln gebildeten Smaragden verwendet, ein mit Rubinen besetzter Gürtel verdeckt die Ansatzstellen, die übrigen Körperteile sind blau emailliert. Hals und Schwanz haben noch aufgesetzte Juwelen. Ebenso ist auch noch der emaillierte Erzengel nicht nur an dem Harnisch und seinem Lendenschurz, sondern auch an den Schwungfedern der bunten Flügel mit Juwelen in Kastenfassungen besetzt. Der Erzengel fesselt weniger durch erregte Handlung, als durch edle Haltung und vollkommene Körperbildung. Und in dieser steckt ein anderes späteres Formempfinden.

Eine Abwandlung der Richtung des Hieronymus Kramer bekunden die beiden Anhänger auf Tafel 2, 4, Rs. Tafel 3, 7 und auf Tafel 4, 1, der eine mit den sitzenden Personifikationen der Weisheit und Einfalt, der andere mit einer Caritas, bei deren Ornamentik der Rückplatten die Beifügung von Tiermasken vermieden ist. Das erste Stück ist in der Komposition der sitzenden Frauen von dem Anhänger mit Friede und Gerechtigkeit, Tafel 2, 5, abhängig, doch zeigt das offene auf einen tektonischen Rahmen verzichtende Schweifwerk der Rückwand, ebenso die fehlende Basis, ein anderes Stilgefühl. Noch ist das Gewand der Frauen mit Steinen in Kastenfassungen wenig glücklich bedeckt. Aber der leichte ornamentale Aufbau ist doch gegenüber jenen epitaphartigen Architekturen für einen Brustschmuck besser empfunden. Das gleiche gilt auch für den Anhänger der Caritas auf Tafel 4, 1. Die Gruppe dieser stehenden Frau mit den beiden Kindern steht sogar ganz unvermittelt nur auf einer dünnen Fußplatte vor der in Ranken aufgelösten Rückwand. Jeder Teil für sich hat seine künstlerischen Vorzüge, der freie Schwung der z. T. aus der Fläche heraustretenden Ranken ist besonders bei der Caritas von starkem rhythmischen Gefühl erfüllt. Die Abbildung der Rückseite des anderen Anhängers auf Tafel 3,7 läßt erkennen, wie ihr Meister hier der Emaillierung die gleiche Sorgfalt gewidmet hat, wie an der Vorderseite. Deren breites Band, das vorn als Bank dient, hat die emaillierte Inschrift: Prudens et Simplex. Dies bezeugt, daß das Kleinod im Zusammenhang mit den damals verliehenen Gesellschaftsstücken oder doch, wie schon der Anhänger auf Tafel 2, 5, mit seiner dadurch