Seite:Sponsel Grünes Gewölbe Band 3.pdf/54

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1589, kostümlich bemerkenswert besonders durch ihren großen Mühlsteinkragen, ist dadurch ausgezeichnet, daß die in flachem Relief von Tobias Wolf hergestellte gegossene Medaille mit Email überzogen ist, nur das Gesicht ist davon ausgenommen, und daß dann diese Medaille in einen emaillierten Rankenrahmen eingepaßt ist, der mit drei Kettchen an einer ebenso hergestellten Schleife hängt. Das Stück ist erst 1888 erworben worden, es war also noch keines der kostbarsten Geschenke, die sonst noch mit Edelsteinen besetzt waren, Tafel 7, 3. Die ganz ähnlich eingefaßte ovale goldene Medaille ihres Sohnes, Kurfürsten Christian II. von 1601, gleichfalls von Tobias Wolf und eine seiner letzten Arbeiten, hat wieder nur den Rahmen und die Schleife emailliert, Tafel 7, 4, und ist ebenso erst aus Privatbesitz 1892 hierhergekommen.

Im Stadtmuseum liegt noch eine aus den Gräbern der Sophienkirche stammende ovale goldne Medaille des Herzogs Friedrich III. von Schleswig-Holstein (1597–1659), Tafel 6, 5. Sie hat eine mit fünf Demanten besetzte sehr zierliche, wie aus Zweigen gebildete Einfassung, die mit den Dresdner Arbeiten keine Verwandtschaft aufweist. Die Medaille hat auf der Wappenrückseite die Jahreszahl 1626. Im Jahr 1630 heiratete der Herzog in Dresden die Tochter des Kurfürsten Johann Georg I., Maria Elisabeth, bei dieser Gelegenheit wird er die Medaille verliehen haben. Dazu gehörte eine sehr zierlich ausgeführte Kette aus 22 abwechselnd von Sternen und seinem Monogramm und je mit der Krone gebildeten Gliedern, sicher des gleichen Ursprungs wie die Medaille mit ihrer Einfassung.

Auf derselben Tafel 6 ist unter 1 noch ein kleiner Kruzifix abgebildet, dessen saubere Emaillierung des Körpers und graziöse Formenbildung der Kreuzarme der Art des Gabriel Gipfel nahe steht. Die gleiche formale Grazie bekunden die aus dem Beginn des 17. Jahrhunderts stammenden Rosetten, Nr. 7, 8, 9, die unter vielen ähnlichen Stücken in jenen Gräbern zur Abbildung ausgesucht sind. Offenbar waren dies Besatzstücke der Kleidung, wie wir sie bei den Wettiner Bildnissen und in besonders reichem Maß bei den beiden Bildnissen von Kurfürst August und Anna von Cranach d. j. schon 1564–65 angebracht sehen (W. B. T. 30). Dort sehen wir auch, wie überladen der Körper mit den verschiedensten Ketten behängen war, auf der Brust Halsketten und Umhänge, um die Hüften der Gürtel, ein- und zweimal um den Leib herum mit lang herabhängendem Ende. Die Mode kam gegen Ende des Jahrhunderts in Abgang, zuerst die der Gürtelketten, dann auch die der Umhänge, bei denen