Seite:Sponsel Grünes Gewölbe Band 3.pdf/60

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erfahren wir zum erstenmal, daß es den Namen „das Grüne Gewölbe“ hatte. Vorher wird es gelegentlich nur kurz das Gewölbe genannt. (H. St. A. Fach 8693. Verschiedene Inventarien über Kleinodien, Silbergeschirr pp. 1611 ff.) Nur vorübergehend war eine Anzahl der kostbarsten Bergkristallgefäße aus der Schatzkammer in die Kunstkammer abgegeben worden. Bei ihrer Einlieferung schätzte 1668 der Kunstkämmerer deren Wert auf über 20000 Taler. Dort sah sie auch der Reisende Charles Patin und schrieb davon 1674. Sie wurden 1687 in die Schatzkammer „wieder hinuntergenommen“.

Nach seinen sechs Schränken ist alles, was 1588 in der Schatzkammer vorhanden war, zum erstenmal aufgezählt, und zwar wird jeder Schrank nach dem benannt, was seinen Hauptinhalt bildete, nämlich „1. Im Schrank, darin die schönen Erzstufen stehen, 2. Im Schrank, darin die schönen silbern und goldene Kästchen auch die Corallenzinken und andere schöne Sachen stehen, 3. Im Schrank, darin die Cristallen Gläser, samt andern schönen gulden und silbern Sachen, 4. Im Schrank, darin die gedrehten Sachen von Attstein, 5. Im Schrank darinnen das volgulde (vergoldete) Silbergeschirr stehet, 6. Im Schrank, darinnen das vorguldene und silbergeschirr, So aus Sophoien geschickt worden.“

Beim Durchlesen des Inhalts dieser sechs Schränke läßt sich feststellen, daß vieles von dem, was darin aufgezählt wird, heute nicht mehr vorhanden ist, sowie daß gerade einige der wichtigsten Stücke aus der Zeit des Kurfürsten August auch hier nicht auffindbar sind, ferner daß auch die meisten Gegenstände nur so allgemein benannt werden, daß es oft unmöglich ist anzugeben, welches besondere Stück gerade jeweilig gemeint war. In manchen Fällen müssen wir uns schon mit der Wahrscheinlichkeit begnügen, in anderen Fällen sehen wir doch wenigstens, daß ganze Gruppen von Gegenständen schon vor 1588 in die Schatzkammer gelangt waren, in einzelnen Fällen aber läßt sich doch noch bestimmt das genannte Stück in einem noch heute vorhandenen Gegenstand wiedererkennen. Das ist für unsere Erkenntnis deswegen wertvoll, weil wir daraus Sicherheit darüber haben, daß solche Stücke, deren Entstehungszeit aus stilistischen Erwägungen nicht genau genug bestimmt werden konnte oder bisher auch falsch bestimmt war, schon vor 1588 ausgeführt waren und darum mit anderen Meistern, als bisher annehmbar wurde, in Zusammenhang zu bringen sind. Insbesondere entnehmen wir daraus, daß die schönsten der in Dresden vorhandenen Ziergefäße aus Bergkristall nicht etwa mit einer 1632 angeblich, aber bisher nie erwiesenen Kriegsbeute von Kurfürst Johann