Seite:Sponsel Grünes Gewölbe Band 3.pdf/88

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und gegen Ende des 16. Jahrhunderts in Frankenthal und Hanau niedergelassen, wo sie mehr und mehr in der verwandten deutschen Kultur und im deutschen Volkstum aufgingen. Sie verpflanzten die hochentwickelte flandrische Kunstfertigkeit in ihre neue Heimat und so konnten Werke ihres Stils durch die Frankfurter und Leipziger Messen in Deutschland verbreitet werden. Ja, einer dieser flandrischen Emigranten, der 1597 aus Frankfurt nach Prag berufene Jan Vermeyen, wurde sogar Hofgoldschmied des Kaisers und hat die Emaillierung der Kaiserkrone der Wiener Schatzkammer ausgeführt.

An unserem Spiegel kann man in der Stilistik, wie in der Technik des Emails zwar im Grünen Gewölbe Berührungspunkte mit früheren Arbeiten erblicken, z. B. an den glashell emaillierten Figuren der Groteske auf der Rückseite des goldenen Anhängers auf Tafel 3, 3 und an den bunt emaillierten Tieren zwischen den Ranken an dem Kristallpokal auf Tafel 14, doch muß darin nicht etwa Dresdner Werkstatt-Tradition nachgewirkt haben, es hat dieser Stil und diese Technik, deren Anfänge man zu Unrecht nur auf Augsburger Meister zurückführte, damals schon weitere Verbreitung gehabt. Zu diesen grotesken Motiven kommt indessen auf unserem Spiegel etwas Neues hinzu: das die Komposition beherrschende und gliedernde Schweifwerk, das gerade von flandrischen Meistern schon in den letzten Jahrzehnten des 16. Jahrhunderts besonders ausgebildet worden war. Dafür sind hauptsächlich Hans Collaert und Cornelis Matsys aus Antwerpen zu nennen. Unter deren Nachfolgern, die ihre Weise nach Deutschland verpflanzten, haben dann in Frankfurt am Main Johann Theodor de Bry (1561–1623) und Paul Birkenhultz (Meister um 1590) noch häufig durch Vögel die Ranken belebt. Auch der in Augsburg tätige flandrische Emigrant Daniel Mignot. Alle Entwürfe dieser Meister sind ausgezeichnet durch unübertreffliche Feinheit der Linienführung, die an den Graveur die höchsten Anforderungen stellt. Dafür haben wir gerade auch im Grünen Gewölbe an dem silbernen Spiegelrahmen des Th. de Bry in Band II Tafel 43 ein hervorragendes Zeugnis. Mit der Stilistik dieser Meister steht unser Spiegel in nahem Zusammenhang und gerade von solchen flandrischen Meistern sind jene anderen Erwerbungen der Kurfürstin urkundlich bezeugt, so daß es wohl naheliegt, an einen von diesen als den Urheber des Spiegels zu denken. Bemerkenswert ist daran zugleich die außerordentlich sorgfältige und saubere Zeichnung und Linienführung. Das edlere Material spornte auch zum Aufwand höchster Kunstfertigkeit an. Ein vollkommenes Beispiel hierfür bildet unser