Seite:Sponsel Grünes Gewölbe Band 4.pdf/43

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Ausmaßen ist die gleiche Herkunft offenbar. Der Stil von Elfenbeinschnitzereien, wie wir ihn bei Leonhard Kern finden, der ja noch zu Lebzeiten Leygebes in Nürnberg tätig war, mag, wenn anders der Eisenschneider sich hier dem empfindlicheren Werkstoff des Nordens angepaßt hat, auch in derartigen Arbeiten nachklingen.

In der Vase, die Joh. Melchior Dinglinger geschnitten haben soll (Tafel 61), erlebt die Kunst des Eisenschnittes im 18. Jahrhundert kurze Auferstehung. Die Zuweisung an den Meister beruht auf keiner literarischen Quelle, sie stützt sich lediglich auf die stilistische Verwandtschaft des Stückes mit den beiden Vasen aus Pappenheimer Schiefer, die durch den Stil und die Technik ihrer Montierung als Schöpfungen aus der späteren Periode Dinglingers anerkannt werden müssen (Tafel 38). Wie diese muß auch die Eisenvase nicht aus der handwerklichen Tradition des Eisenschnittes, sondern aus dem Verhältnis ihres Verfertigers zu den architektonischen Bauelementen der Antike künstlerisch beurteilt werden. Sie ist die Paraphrase eines steinernen Schmuckbildwerks in Eisen. In die flachen, aber mit äußerster Präzision geschnittenen Reliefbänder sind gegossene Medaillons eingefügt. Die Herme des Satyrs, die den geschweiften Sockel ziert, kehrt, als rundplastische Nischenfüllung, in einer der steinernen Vasen wieder. Auch hier die Verkörperungen antiker Naturfröhlichkeit: bacchische Gruppen, Nymphen, Faune und Kinder, um die Herme des Pan geschart; dann die schlangenförmigen Henkel, schließlich der Namenszug AR des königlichen Besitzers. Die für den dekorativen Stil der Spätwerke Dinglingers so charakteristischen Lambrequins mit himmelblauem Schmelz, die mit ihren dreizackigen Lappen sich von dem Körper des Gegenstandes loslösen und die betonten Vorsprünge verbinden, bringen die Vasen in unmittelbare Beziehung zu dem großen Kabinettstück mit dem Triumphzuge des Bacchus. Dies ist 1728 datiert, gehört also, wie der Apistempel, der die Jahreszahl 1729 trägt, der letzten Schaffensperiode des Meisters an, als er schon die Mitarbeit von Hübner und Döring für die großen Aufträge heranzog.

In dieser Zeit entstand auch das ovale Mosaik, das August den Starken nach einem Gemälde von Louis Silvestre im Panzer und Hermelin zeigt (Tafel 39). Der Kopf ist der des willensstarken, aber schon von Alter und Krankheit heimgesuchten Mannes; die hochgetürmte Perücke mit dem tiefeingeschnittenen Scheitel entspricht der auf dem Doppelbildnis mit König Friedrich Wilhelm I.