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noch „Fontanes“ geheißen, wodurch wir dem Großmeister, wenn auch nicht um viel, so doch immerhin um ein „s“ näher gekommen wären, so wäre der den Rest der Sache mit einschmuggelnde Nebenbeweis von vornherein weggefallen.[1]

Daß mein Vater solche Phantasie-Beziehungen pflegte, durfte nicht Wunder nehmen; er war, wie schon oben kurz angedeutet, durch sein ganzes Leben hin der Typus eines humoristischen Visionairs und


  1. Durch einen Nebensächlichkeitsbeweis die Hauptsache beweisen zu wollen, dafür mag aus meinen Erlebnissen hier noch Folgendes als ein glänzendes Beispiel dienen. Ein Freund von mir besaß eine etwa anderthalb Fuß hohe Terracotta-Statuette, hübsche Arbeit, die einige für das von Michel Angelo persönlich herrührende Modell zum „Moses“ hielten, während dies von Andern bestritten wurde. Nun befand sich an einer Stelle der Figur, ein scharf in die Terracottamasse abgedruckter Finger, derart scharf, daß die kleinen Rinnen und Rillen der Haut ganz deutlich erkennbar waren. Als es nun die Echtheit zu beweisen galt, sagte mein Freund: „Es kann kein Zweifel sein; Sie sehen hier ganz deutlich den Finger.“ Das war auch richtig; man sah den Finger, man sah nur nicht, daß es der Michel Angelo’sche Finger war. Trotzdem hab’ ich es, zunächst an mir selbst, dann aber auch an Andern erlebt, daß dieser Beweis momentan für voll angesehn wurde. Ja, der Besitzer selbst war, als er das erste Mal auf den Fingerabdruck hinwies, durchaus bona fide dabei verfahren und setzte erst später diese Art von Beweisführung als Spiel und Jokosum fort.
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Theodor Fontane: Meine Kinderjahre. Berlin: F. Fontane & Co., 1894, Seite 20. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Theodor_Fontane_%E2%80%93_Meine_Kinderjahre.djvu/028&oldid=- (Version vom 1.8.2018)