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sehr tief und bis zu halber Höhe mit Laub vom vorigen und vorvorigen Jahr überdeckt. Da lag ich nun an der tiefsten Stelle, die wundervollen Buchen über mir und hörte, wenn ich mich bewegte, das Rascheln des trockenen Laubes und draußen rauschte das Meer. Es war zauberhaft. Nur meine Truppe verdroß mich beständig, denn jeder Einzelne, mit seiner höchst zweifelhaften Räuberanlage, stellte mir die gewöhnlichste Prosa des Lebens wieder vor Augen. Mein jüngerer Bruder, gutmüthig wie er war, nahm immer eine Bierkruke mit aufgelöstem und furchtbar schäumenden Lakritzensaft mit, was meine „Störtebeckerschen“, die sich davon einschenken ließen, „Meth“ nannten. Zugleich waren meines Bruders Taschen mit einer Unmenge von wurmstichigem Johannisbrot gefüllt, um das man sich, mit einer allerdings halben Räuberenergie, balgte. Mir widerstand das alles und ich trank Quellwasser, das ich mit der flachen Hand schöpfte.

So ging es in der „Räuberkule“ zu. Mir persönlich, so gruselig die Kule war, war übrigens ein etwas näher gelegener Platz fast noch mehr an’s Herz gewachsen; das war eine Waldlichtung, auf halbem Weg nach Kamminke, dieselbe Stelle, die schon im Sommer 27, an eben dem Tage, wo wir unsere Einfahrt in Swinemünde hielten, einen so tiefen Eindruck

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Theodor Fontane: Meine Kinderjahre. Berlin: F. Fontane & Co., 1894, Seite 301. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Theodor_Fontane_%E2%80%93_Meine_Kinderjahre.djvu/309&oldid=- (Version vom 1.8.2018)