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An eine Schwester.
Neuendettelsau, 19. Sept. 1910

 Liebe Schwester, Du begibst Dich jetzt auf weite Reisen.

„Man reist, damit es uns daheim nur desto mehr gefalle
und wer durchs Leben reist, der ist im gleichen Falle,
nur daß man da die Heimat noch nicht
kennt und nur am Heimweh merkt, daß man von ihr getrennt.“

Deine Therese.


An die Schwestern der Nürnberger Schule.
Neuendettelsau, 26. September 1910

 Meine lieben Schwestern, ich wollte schon immer dem Nürnberger Konvent einen Gesamtbrief schreiben und meine Freude aussprechen über den reichen „Kindersegen“. Es steht freilich viel Mühsal und große Arbeit dahinter, aber die Freude und der Dank soll doch überwiegen. Was sind wir, daß uns der Herr so brauchen will und mag?

 Heute ließ mich unsere kranke Schwester Auguste B. rufen. Sie wollte mir sagen, daß ihr das Wort so viel geholfen, das ich ihr neulich gesagt: „Er hat an dem, das er litt, Gehorsam gelernt.“ Sie wird nach manchem Sturm und vieler Not stiller. Wie tief muß der Mensch hinab, bis er so hoch hinauf kommt!

Ich grüße alle, alle recht schön. Eure Therese.


An die Schwestern in Schwabach.
Jakobsruh, 29. Okt. 1910

 Liebe Schwestern, ich habe es schon oft beobachtet, daß Gott uns, die Er durch den gesegneten Diakonissenweg den unmittelbaren Familiensorgen entnommen hat, dann besondere Gebetsaufgaben auferlegt. Das verlangt Seine Gerechtigkeit, und das ist uns zum Heil verordnet. Denn der beständige Verkehr mit Gott, zu dem uns das Gebetsanliegen treibt, ist ein Segen, schon ehe die Erhörung kommt. Wie erst, wenn wir in Geduld gewartet haben und dann die Erfahrung des Wortes kommt: „Bittet, so werdet ihr nehmen, daß eure Freude vollkommen sei.“

Empfohlene Zitierweise:
Therese Stählin: Auf daß sie alle eins seien. Verlag der Diakonissenanstalt, Neuendettelsau 1958, Seite 191. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Therese_St%C3%A4hlin_-_Auf_da%C3%9F_sie_alle_eins_seien.pdf/193&oldid=- (Version vom 24.10.2016)