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 Sät nie Zwietracht durch spitzige Reden, denn das ist etwas Finsteres. Steht auf der Seite des guten Geistes und habt das Ziel im Auge! Das erfordert Wachsamkeit und Zucht. Gottselige Seelen werden immer schweigsamer.


 Es gibt eine Wollust der Kritik; wir wollen sie nimmer leiden. Durch das Anhören macht man sich der Sünde ebenso teilhaftig wie durch das Reden. Es sollte mehr Strenge, Mut und Freiheit dagegen unter uns sein, – und wenn es dann auch zur Scheidung käme, was Jakobus sagt: „Wer seine Zunge nicht im Zaum hält, des Gottesdienst ist eitel“, können wir uns nicht ernst genug gesagt sein lassen.


 Oft ist es freilich recht schwer, einem Menschen zu sagen, was man gegen ihn hat oder was man nicht recht an ihm findet. Aber wir wollen uns gegenseitig nicht schonen, sondern Gott bitten, uns die rechte Art und Weise zu schenken, daß wir uns gegenseitig in Liebe und Wahrheit sagen, was nötig ist.


 Daran kann man einen Christenmenschen erkennen, daß er einen Tadel aufnimmt. Wo unsere schwache Seite liegt, sind wir sonderlich blind. Laßt uns für jeden Tadel offen sein; etwas Wahres ist immer an dem, was uns gesagt wird.


 Es muß uns eine Lust sein, zu vergeben. Das ist eine adelige Seele, die so von Herzensgrund vergibt, daß nichts zwischen ihr und der um Vergebung bittenden Seele bleibt.


Empfohlene Zitierweise:
Therese Stählin: So wir im Lichte wandeln. Verlag der Diakonissenanstalt, Neuendettelsau 1959, Seite 24. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Therese_St%C3%A4hlin_-_So_wir_im_Lichte_wandeln.pdf/26&oldid=2895441 (Version vom 22.8.2016)