Seite:Veckenstedt - Wendische Sagen, Märchen und abergläubische Gebräuche.pdf/218

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Fertig. Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle korrekturgelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.

getrieben hat. Der Nix sass eines Tages am Ufer, und besserte seine Hosen aus. Er war eifrig bei der Arbeit und sprach dabei so vor sich hin: „Hier ein Flicken, da ein Flicken, und dort noch ein Flicken.“ Zufällig kamen trunkene Bauern des Weges; Einer von diesen fasste, als er diese Worte hörte, seinen Stock fester und versetzte dem Wassermännchen einen Hieb über den Rücken, indem er dabei sprach: „Da auch noch ein Flicken.“ Das Männchen sprang sofort zornig in das Wasser und rief: „Das sollst Du mir büssen.“ Darauf fuhr es zur Tiefe nieder. Als der Bauer diese Worte hörte, verflog sofort sein Rausch, ängstlich ging er nach Hause und mied fortan jeden See und Teich. Aber der Rache des Nix ist er doch nicht entgangen. Eines Tages nämlich regnete es stark, so dass der Regen überall durch Dach und Fach drang. Der Bauer wollte sehen, ob er das Korn in seiner Scheune vor dem Regen schützen könnte; er wollte zu diesem Zweck über den Hof eilen: vor der Scheune hatte sich eine Pfütze gebildet, die wollte er überspringen, dabei glitt er aus, fiel hinein und ertrank in der Regenpfütze.

Buchwald.     
44.

In der Nähe des Koblosees werden von den Leuten der Umgegend allerlei Dinge, wie Geld, Kleider, Speisen und dergl. vergraben, damit der Kobold sich ihrer bediene und den Gebern nichts thue. Nun war einmal ein Bauer in einem Dorfe bei Straupitz, welcher an den Kobold und seine Macht nicht glaubte: deshalb vergrub er auch nie etwas am Koblosee. Dafür aber wusste der Kobold sich zu rächen. Einstmals nämlich, als der Bauer den See entlang fuhr, kam der Kobold aus dem Wasser heraus und warf Bauer, Pferd und Wagen in den See, dass von ihnen nie wieder etwas gesehen ist.

Leipe.     
45.

In der neuen Elster bei Senftenberg hielt sich früher ein Wassermann auf, welcher sich stets des Mittags zwischen elf und zwölf Uhr sehen liess. So erblickte einmal ein Mann aus Niemitsch, welcher nach Senftenberg ging, als er