Seite:Veckenstedt - Wendische Sagen, Märchen und abergläubische Gebräuche.pdf/223

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Kahn die Spree herunter. Als er nahe bei der Stelle, wo dies geschah, war, liess der Wassermann den Knaben los. Da war es denen, welche im Kahn sassen, als lagere eine Wolke über dem Wasser, von dem Wassermann selbst aber sah man nichts mehr. Als dies Alles in Cottbus bekannt wurde, wusste man wohl, dass ein Unglück bevorstehe, nur war man zweifelhaft, ob ein Krieg ausbrechen werde, eine Feuersbrunst oder eine schwere Krankheit.

Sandow.     
52.

Früher kam der Kobold, welcher im Koblosee bei Straupitz wohnte, häufig in die Mühle bei Lasow und half dort mahlen. Der Müllerbursche aber wollte auf die Dauer nichts mit ihm zu thun haben, deshalb sann er auf ein Mittel, ihm die Mühle zu verleiden. Als der Kobold wieder kam, fragte er ihn, ob er sich die langen Nägel abschneiden lassen wolle. Der Kobold willigte ein. Da holte der Müllerbursche einen Schraubstock hervor und sagte dem Kobold, er solle doch seine Finger hineinlegen, dann könne er die Nägel besser beschneiden. Der Kobold, welcher einen Schraubstock nicht kannte, that dies. Der Bursche aber zog den Schraubstock darauf so fest an, dass der Kobold vor Schmerz laut aufschrie und bat, der Bursche möge ihn doch loslassen. Das versprach derselbe unter der Bedingung, dass der Kobold nie wieder in die Mühle käme. Als der Kobold dies Versprechen gegeben hatte, liess er ihn frei. Seit der Zeit hat sich der Nix nicht wieder in der Mühle sehen lassen.

Lasow.     
53.

In Guben ist bei der Dreikreuzergasse die sogenannte Wormslache, welche früher sehr gross und sehr tief gewesen ist. In dieser Lache haben früher viel Unglücksfälle stattgefunden; das ist daher gekommen, dass zwei Nixe darin gehaust haben. Diese Nixe waren Brüder. Da geschah es einmal, dass sie in einen Streit geriethen, welcher damit endigte, dass der eine der beiden Brüder sich entschloss, ganz und gar seine Wohnung im Wasser zu verlassen. Er kam auf die Oberwelt und verdingte sich bei einem Eigenthümer