Seite:VonSchlippenbachMalerischeWanderungenDurchKurland.pdf/18

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Fertig. Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle korrekturgelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.

oder Freude vergoß, geweiht, – auch aus diesen Blättern mag ich ihr Andenken nicht verwischen. Hat diese Erde nicht auch meine Zähren getrunken? habe ich hier nicht auch die erste Freude, wie den ersten Schmerz empfunden? Haben diese Mauern nicht meinen Klagen wiedergehallt, als ich das Liebste verlor, was die Welt für mich hatte, als hier meine Mutter, der reinste weibliche Engel starb? als ich hier meinen alten redlichen Vater zum leztenmale im Leben umarmte? O! nur jezt wünschte ich meinen Worten die Kraft des höchsten Genius und Erlaubniß meine Leser mehr mit subjectiven Gefühlen, als mit den pittoresken Objecten meines Vaterlandes unterhalten zu dürfen.

Doch mein Landschaftsgemälde, wo mir der Leser manche hier eingebrachte Figur zu verzeihen haben wird, möge beginnen. Hier für Wormsahten habe ich es mir schon ausbedungen, öfterer auf Gegenstände zurückzukommen, die kein anderes allgemeines Interesse haben, als das ein edles Herz in den Ergüssen der Gefühle eines Andern findet. –

Empfohlene Zitierweise:
Ulrich von Schlippenbach: Malerische Wanderungen durch Kurland. C. J. G. Hartmann, Riga und Leipzig 1809, Seite 7. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:VonSchlippenbachMalerischeWanderungenDurchKurland.pdf/18&oldid=3556060 (Version vom 9.9.2019)