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vornehme Tischgesellschaft in Mömpelgard unterhielt sich davon, daß die Herren von Basel Verräter am Reich geworden seien. Wie es im Innern der Stadt zuging, erfahren wir freilich kaum. Hier dichtete Sebastian Brant seine Hymnen an König Max; daß er 1497 hier die Schriften Hemmerlins durch den Druck bekannt machte, war nicht nur eine literarische Leistung, sondern auch politisch ein Bekenntnis und eine Herausforderung. Dicht daneben stehen in den Akten Erwähnungen einzelner Vorfälle, eines Auflaufs, einer Schlägerei, die uns Parteiung und Kampf in der Bürgerschaft zeigen.

Wir suchen diese Entwickelung zu verfolgen an den Vorgängen im Rate. Seit dem Sturze des Rieher ist hier unverkennbar eine Umgestaltung im Gange. Nicht umsonst erklärte später die Tradition den Tod Riehers als Strafe seines Widerstandes gegen die Eidgenossenschaft. Wir nehmen wahr, wie neue Männer in die Führung des Gemeinwesens eintreten und diese nach und nach ganz an sich ziehen; in bemerkenswerter Weise geschehen die Reformen der Ratsordnung, die Verfassungsrevision, die sittenpolizeilichen Maßregeln, die gewerblichen Neuerungen im Zusammenhang mit einem Wechsel der politischen Richtung und durch dieselben Männer.

Diese denkwürdige Gruppe war gebildet durch die Achtburger Peter Offenburg, dessen Schwager Ludwig Kilchmann, und Lienhard Grieb; den Stadtschreiber Niclaus Rüsch; die Zünftler Heinrich Einfaltig, Michel Meyer, Heinrich von Sennheim, Hans Jungerman, Hans Hiltprand, Walther Harnisch. Sie saßen 1495 in den Kommissionen für das neue Regiment und für die vom Handwerk geforderte Wiederaufhebung der gewerblichen Reform von 1491, sie leiteten das Verfahren gegen Rieher und übernahmen die von ihm verlassenen Beamtungen, sie wurden 1497 Neuner, sie standen nach 1499 als Häupter und als Dreizehner an der Spitze Basels.

Der unter diesen Männern am meisten Vortretende, auch bei den Gegnern am meisten Gehaßte war Peter Offenburg, der 1495 in den Rat kam und schon im folgenden Jahr Oberstzunftmeister wurde. Vor zehn Jahren sahen wir ihn in Antwerpen die Stadt Basel dem Reiche näherbringen, jetzt führte er sie zur Eidgenossenschaft. Aber seine wahre Gesinnung wagen wir nicht zu bestimmen. Mit dem ererbten Geschicke des Unterhändlers und Lenkers stellte er sich, nach Riehers Sturz in den Rat eintretend, sofort an die Spitze der mächtigen Fraktion, die den Rieher beseitigt hatte. Sie selbst hatte vielleicht anfangs nur nach diesem Ziele gestrebt und wurde erst allmählich, unter dem Zwange der Zeit, zur Schweizerpartei im Rate.

Aber wie wir all dies Einzelpersönliche und Psychologische nicht zu erkennen vermögen, so sind uns die tatsächlichen Vorgänge verborgen. Nur

Empfohlene Zitierweise:
Rudolf Wackernagel: Geschichte der Stadt Basel. Zweiten Bandes erster Teil. Helbing & Lichtenhahn, Basel 1911, Seite 156. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Wackernagel_Geschichte_der_Stadt_Basel_Band_2,1.pdf/177&oldid=- (Version vom 24.10.2016)