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So sammelten sich die Parteien, alle bis jetzt parteilos Gebliebenen absorbierend, und trafen sich. Art und Verlauf des Kampfes bleiben uns aber verborgen; seine erste Frucht war wohl die Beseitigung der beiden Bürgermeister im Herbst 1499; die kurzen Erwähnungen des Wegzugs von Edeln im Frühjahr 1500, eines Auflaufs, der zu eben dieser Zeit beim Wirtshause zum Rüden losbrach, und der darauf folgenden Verhandlungen des Rates mit den Zünften sind die einzigen Nachrichten.

Aber wenn wir auch die Kämpfe nicht kennen, so doch ihr Ergebnis. Die Ratsbesatzung im Juni 1500 brachte nicht mehr starke Änderungen. Aber wichtig war, daß kein Edler mehr im Rate saß, daß man auch nicht mehr versuchte, einen Solchen hereinzubringen, sondern frischweg die Bürgermeisterwürde einem Bürgerlichen geben ließ. Mit dem Titel eines Statthalters allerdings. Es war dies Ludwig Kilchmann, der in den letzten fünf Jahren an der gesamten Reorganisation beteiligt gewesen war, neben Lienhard Grieb und Peter Offenburg jedenfalls der Fähigste der Achtburger. Er und dieser Offenburg, der wieder das Oberstzunftmeisteramt einnahm, waren nun die Häupter.

Schon jetzt, im Sommer 1500, besprach der Rat eine Botschaft an die Eidgenossen, und im Oktober beschäftigte sich die Tagsatzung in der Tat mit den Angelegenheiten Basels. Sie gab ihm die Zusicherung, daß im Fall ungerechten Angriffs die Eidgenossen die Stadt nicht verlassen, sondern mit Leib und Gut ihr beistehen würden.

Die Bedeutung dieses Aufsuchens der Eidgenossen durch Basel wird uns begreiflich bei einem Blick auf seine Lage. Von allen Seiten drängt sich das erregte Leben dieser Monate heran. Zu ihm gehört auch die Verhandlung über ein Bündnis Basels mit dem Rötler Markgrafen, die im Winter 1500 auf 1501 dem Rate sehr zu tun gab, dann aber ohne Resultat ausging; sie war das letzte größere Geschäft politischer Art des nicht eidgenössischen Basel. Aber auch Ereignisse sind zu nennen wie der Rücktritt des Sebastian Brant von seiner Professur, die Verzichte von Martin Flach und Mathis Eberler auf das Bürgerrecht. Daß Männer wie diese, seit Jahren in Gemeinde und Gesellschaft angesehen, die zum Teil auch lange dem Rate angehört hatten, jetzt von der Stadt sich lossagten, verrät, mit welcher Kraft der neue Wille sich Bahn machte und Altes beiseite schob.

Neben diesen Erschütterungen der innern Zustände sehen wir die äußern Gefahren, die dunkel und drohend standen. Die Söldner mußten beständig streifen. Wie in Zeiten kriegerischer Not wurde die Mehrzahl der Tore geschlossen gehalten, wurde die „Zuwacht“ und eine „Rheinwacht“ organisiert.

Empfohlene Zitierweise:
Rudolf Wackernagel: Geschichte der Stadt Basel. Zweiten Bandes erster Teil. Helbing & Lichtenhahn, Basel 1911, Seite 178. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Wackernagel_Geschichte_der_Stadt_Basel_Band_2,1.pdf/199&oldid=- (Version vom 24.10.2016)