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das Erkennbarste ist sein Herrscherbewußtsein, das auch den Wert äußerer Repräsentation kannte. Wir sehen ihn in wichtigen Momenten mit seinem ganzen Hofstaat und allen Beamten aufrücken; den schlecht ausgestatteten Bischofshof zu Basel füllt er mit seinem Reichtum an Geschirr und Gerät, die Ställe mit seinen starken Hengsten; an die Wand des großen Saales läßt er die Wappen aller Vasallen des Hochstifts, voran des Fürsten von Oesterreich, malen; in Pruntrut und Delsberg errichtet er prächtige Residenzen; er auch ist nach langer Zeit wieder der erste Basler Bischof, der sich draußen an den großen Weltversammlungen zeigt, 1460 am Kongreß zu Mantua, 1471 am Reichstag zu Regensburg, wo er alle Pracht entfaltet die ihm möglich ist. Zuletzt will er auch im Tode noch Herr sein über das Geschehende; die Dinge dürfen nicht gehen nach dem Belieben der Andern; sein Begräbnis, seinen Nachlaß, sein Andenken sichert er bei Zeiten durch Befehle.

Venningens Verkehr mit der Stadt war anfangs ruhig und friedlich. Er ließ sich bei Streitigkeiten des Rates wiederholt als Schiedsrichter gebrauchen, zahlte pünktlich die Zinsen von der Fleckensteinschen Schuld usw. Von Rechtsansprüchen verlautet noch nichts. Nur beiläufig, im Juli 1462, als der Rat vor den Kaiser geladen wurde wegen seiner Verweigerung der Reichshilfe, ließ ihm der Bischof empfehlen, dem Kaiser nicht weiter entgegenzukommen als sich mit des Hochstifts Rechten vertrage; von diesem ja rühre alle Herrschaft in der Stadt her; ihm schwöre der Rat jährlich, dem Kaiser aber gar nicht.

Dies die Vorboten. Vier Jahre später war der Stadt der Streit angekündigt. In umfassender Weise gab Venningen zu erkennen, wie er die Lage ansehe und was er fordere. Die ganze zweihundertjährige Entwickelung der städtischen Freiheit stellte er in Frage.

Was ihn hiezu trieb, war zunächst sein eigener Wunsch, die Verluste des Bistums nach Möglichkeit wieder zu decken. Außerdem ließ ihm das Domkapitel keine Ruhe, drängte ihn, Ansprüche geltend zu machen. Er selbst redete später davon. Wir bemerken, daß gerade in diesem Jahre 1466, da der Streit begann, der tätige Hans Werner von Flachsland als Dompropst an die Spitze des Kapitels trat.

Der Beachtung wert ist aber, daß man, nach den ersten Eröffnungen des Bischofs an die Stadt, einer akuten Entscheidung doch aus dem Wege ging. Man wollte die Angelegenheit nicht vor ein Schiedsgericht bringen, keinen Spruch provozieren; Vertrauensmänner, durch jede Partei aus den Leuten der Gegenpartei gewählt, sollten eine gütliche Verständigung zu bewirken suchen.

Empfohlene Zitierweise:
Rudolf Wackernagel: Geschichte der Stadt Basel. Zweiten Bandes erster Teil. Helbing & Lichtenhahn, Basel 1911, Seite 206. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Wackernagel_Geschichte_der_Stadt_Basel_Band_2,1.pdf/227&oldid=- (Version vom 1.8.2018)