Seite:Wackernagel Geschichte der Stadt Basel Band 2,1.pdf/472

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Aber weder das Eine noch das Andere beseitigte die heftigen und offenbar begründeten Klagen des Publikums über Mangel an Häringen und gesalzenem Gut überhaupt. Der Rat kaufte daher 1524 und 1525 aus städtischen Mitteln große Quantitäten Häringe und verkaufte sie der Einwohnerschaft.


Auch das Gewürzgewerbe muß hier genannt werden.

Die Gewürze brachten damals nicht nur als Beigaben einen Reiz zur Speise, sondern konnten für Lebensmittel gelten und waren ein Bedürfnis. Wie der Senf eine Rolle spielte, so daß unter den Tischgeräten der Zünfte stets zahlreiche Senfschüsselchen sich befanden, so fehlen in den Inventaren auch der privaten Haushaltung selten Pfefferstein und Pfeffersieb und das Reibeisen für den Ingwer. Den Bedarf eines guten Hauses an diesen Speise- und Weinwürzen zeigen uns z. B. die Rechnungen Johanns von Venningen mit ihren Ausgaben für Ingwer Pfeffer Safran Muskatpulver Zimt Nelken Zucker. Einzeln oder in Mischungen verwendete man diese Waren in der Küche, wobei die gewöhnliche Mischung der „Speiswurz“ durch Färbung mit Safran zur „Gutwurz“ gemacht, für Kranke eine mildere Komposition, die „Kindbetterwurz“, bereitet wurde.

Diese Gewürze und neben ihnen noch andere wie Kubeben Galgant Kardamomen Paradieskörner usw. waren fast durchweg Import aus der Ferne, Handelsware. Die sie vertrieben, waren die Krämer, seit der schärferen Arbeitsteilung als Pulverkrämer ausgeschieden, denen erst das XVII. Jahrhundert die Bezeichnung Spezierer gab.

Die Krämerzunft übte die Gewürzschau durch die von ihr jährlich dazu Deputierten; sie auch besaß und überwachte die Gewürzstampfe, in der die Ware zubereitet und die Mischung nach bestimmten Rezepten vorgenommen wurde, die aber auch Droguen und Farbstoffe für andere Gewerbe verarbeitete.

Dies ganze Spezereigewerbe vollzog sich durchaus im Rahmen der Zunft, unter ihrer Verantwortlichkeit. Daß es dabei zu hoher Blüte kam, dann zu Ende des XV. Jahrhunderts die Opposition auch gegen dieses Gebiet des Handels und seinen Monopolismus sich erhob, daran ist einstweilen nur zu erinnern. Die Beschwerden des Publikums, die Verantwortung der Krämer, das Einschreiten des Rates, Alles ist Teil einer allgemeinen wirtschaftlichen Bewegung, von der noch zu reden sein wird. Nur das Eine wird hier erwähnt: daß zeitweise die Gewürzschau den Krämern genommen und zu einer städtischen gemacht wurde.

Während der Rat sich dieses Gewerbes im Allgemeinen wie es scheint

Empfohlene Zitierweise:
Rudolf Wackernagel: Geschichte der Stadt Basel. Zweiten Bandes erster Teil. Helbing & Lichtenhahn, Basel 1911, Seite 451. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Wackernagel_Geschichte_der_Stadt_Basel_Band_2,1.pdf/472&oldid=- (Version vom 10.11.2016)