Seite:Wackernagel Geschichte der Stadt Basel Band 2,1.pdf/489

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Stiftungen durch den Ritter Hagedorn, den Propst von St. Peter u. A., dann einige Jahrzehnte später die verschwenderisch reichen Donationen von Prälaten des Konzils füllten die Kirche, die Sakristei, den Kapitelsaal, die Kreuzgänge mit farbenglühenden Werken dieser Kunst. „Kein Gotteshaus in weiten Landen erfreute sich damals eines solchen Reichtums an Glasmalereien wie die Basler Karthause.“ Gegen zweihundert gemalte Scheiben waren vorhanden, nicht als eine nach einheitlichem Plan durchgeführte Bilderfolge, sondern in einzelnen Kompositionen, die aber großenteils durch Ähnlichkeit, Gleichmaß des Formates, Gleichzeitigkeit der Arbeit enge zusammengeschlossen waren. Sicherlich erhöhte diese gemeinsame Art und Stimmung den Reiz des Ganzen unendlich. Was noch über ein Jahrhundert später ein gefeiertes Schaustück Basels war, muß damals bei seinem Hervortreten, so verwöhnt auch Aller Augen durch die täglichen glänzenden Szenen des Konzilslebens waren, dem Kloster, den Stiftern, vor Allem den Künstlern selbst höchsten Ruhm gebracht haben. Jede Erwähnung dieser Künstler freilich fehlt. Wollen wir wenigstens vermuten, wer sie gewesen seien, so haben wir an die zu jener Zeit in Basel lebenden und tätigen Glaser Konrad Hefelin, Peter von Koblenz, Peter Katz, Heinrich Unverzagt, Ludman und Niclaus Glaser, Andres Edelman zu denken. Eine Nötigung, in diesem ganzen Zyklus der durch die fremden Prälaten gestifteten Scheiben ein Werk auswärtiger Glasmaler zu sehen, besteht, soviel wir erkennen, durchaus nicht.

Wie aber diese große Schöpfung wohl alles bis dahin in Basel Geschehene zusammenfaßte, so mochte sie auch als Höhe gelten, unter die nicht mehr zurückgegangen werden durfte. Solchem Gebot hatte hier fortan die Glasmalerei zu genügen, als deren Führer sich uns erst das Geschlecht der Glaser, dann die gleichfalls in mehreren Generationen wirkende Familie der Han erweisen.

Die Tätigkeit dieser Meister ist begleitet durch eine deutliche Entwickelung. Zunächst wurde das bisher hauptsächlich in weiten Kirchenräumen verwendete Glasgemälde immer mehr auch für den Schmuck kleinerer Gemächer in Zunft- und Privathäusern usw. in Anspruch genommen; gerade die Kreuzgänge der Karthause zeigten diese Anwendung. Wohl im Zusammenhange hiemit kam es dazu, daß Glasmalerei und Malerei sich bestimmter als früher gegenüber traten. Mancher alte Glasmaler, der bisher den Ansprüchen genügt hatte, war doch zu viel Glaser, zu wenig Maler für diese Kabinetkunst. Das Gewerbe wuchs; wer nicht mitkam, blieb Glaser alter Art, während die Fähigeren sich zu einer Fertigkeit erhoben, die Glasen und Malen in dem jetzt geforderten Umfange zugleich meisterte. Sie entsprachen den Bildschnitzern, die zu eben dieser Zeit ihre Kunst mit der Malerei kombinierten

Empfohlene Zitierweise:
Rudolf Wackernagel: Geschichte der Stadt Basel. Zweiten Bandes erster Teil. Helbing & Lichtenhahn, Basel 1911, Seite 468. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Wackernagel_Geschichte_der_Stadt_Basel_Band_2,1.pdf/489&oldid=- (Version vom 20.11.2016)