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in Frankfurt Straßburg Zurzach usw. einkaufen. Bischof Johann war für solche Lieferungen auch Kunde der die Basler Messe besuchenden Fremden; nur kleinere Tucheinkäufe machte er bei Basler Händlern, und wo es sich um Spezialitäten handelte, wie Samte Borten usw. zu Meßgewändern, fand er diese bei den Basler Krämern Jungerman u. A.


Überhaupt erscheinen die Krämer allenthalben als die gewünschte Ergänzung, zur Befriedigung jeder Konsumtions- und Kauflust bestens eingerichtet. Neben dem vornehmen Sondergeschäfte der Gewandschneider-Kaufleute war die Kramerei der Alles umfassende, in allen Gebieten und Formen sich ergehende Handel der Stadt. Wir beachten die Stärke der Krämerzunft; deutlicher spricht noch, daß z. B. in den Listen des Pfundzollbuches die Liste der Krämer weitaus die größte ist. Sie waren die Leute der zahlreichen Geschäfte, des beständigen Umsatzes.

Der Unterschied von den Gewandschneidern zeigt sich auch in Anderm. Diese tragen den Namen vom Gegenstand ihres Handels, der Krämer trägt ihn von seiner Bude. Er erweist sich noch immer als den Händler der alten Art und der Anfangszeiten, der von Markt zu Markte zog. Seine Waren sind leicht und flüchtig gegenüber jenen massigen schweren Stücken.

Dem entspricht auch das Schwankende Wechselnde dieses Handels. Wir sehen Unternehmungsgeist und Mode immer wieder neue Artikel schaffen, die als Krämerware hereinkommen, und demgegenüber den Kreis der Krämerei sich unaufhörlich dadurch ändern, daß bisheriger Import ersetzt wird durch junge heimische Produktion. Nirgends erscheint das Leben so gelenk und frisch wie hier. Dennoch versuchen wir, wenigstens die hauptsächlichen Komplexe der durch Krämer hier feilgebotenen Waren zu nennen.

Zunächst die zahllosen Mailänder und Nürnberger „Pfennwerte“ d. h. einen Pfennig werte kleine Dinge, Kurzwaren aus Zinn Messing Bein Holz usw., dann Knöpfe Faden Bänder Nestel u. dgl. m.

Auch die Silberkrämer gehörten in diesen Bereich. Ebenso deren Vorläufer, die „Abenteurer“, die vor Allem mit Pretiosen und Juwelen handelten.

Ferner die Paternosterer, die aber vielleicht nicht durchweg nur Händler, sondern z. T. auch Fabrikanten waren.

Auch an den Handel der Krämer mit Farbe und Malergold ist zu erinnern, sowie an ihren Verkauf von Larven (Schembart oder Böcke oder Fastnachtantlit), worüber die Maler als über einen Eingriff in ihre Rechte klagten.

Empfohlene Zitierweise:
Rudolf Wackernagel: Geschichte der Stadt Basel. Zweiten Bandes erster Teil. Helbing & Lichtenhahn, Basel 1911, Seite 499. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Wackernagel_Geschichte_der_Stadt_Basel_Band_2,1.pdf/520&oldid=2955231 (Version vom 20.11.2016)