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die von Burgund seit Generationen festgehaltenen Absichten auf den Oberrhein fanden jetzt ihre Erfüllung.

Schon im Vorjahre hatte man zu Basel allerlei dumpfes Gerede von solchen Machenschaften vernommen; im Herbste waren die Nachrichten von der Zerstörung Lüttichs, durch Appenwiler einläßlich aufgezeichnet, eine furchtbare Ankündigung des Herzogs gewesen. Jetzt wurde er der nächste Nachbar Basels.

Auch ohne die Wucht des seit langem drohenden Verhängnisses, das in dieser Tatsache lag, war es ein Ereignis der größten Art für Basel. Ein Blick auf die Karte zeigt die Ausdehnung des verpfändeten Gebietes. Im Westen Belforts begann es und zog sich, in der Hauptsache nur durch die Markgrafschaft Hochberg unterbrochen, bis über Waldshut und St. Blasien hinaus; von der Grenze des Basler Bistums im Süden Pfirts erstreckte es sich bis Thann, weiter über Ensisheim hinab und bis nach Breisach. Es grenzte im Westen unmittelbar an Burgund und öffnete diesem eine weite Pforte gegen Süddeutschland, gegen die Eidgenossen, gegen Basel. Als einer seiner Vorzüge galt sogleich, daß Herzog Karl nun „vier Brücken über den Rhein gewaltiglich inne habe“. Es waren die Brücken von Laufenburg Säckingen Rheinfelden Breisach; die wichtigste, die Basler Brücke, fehlte ihm noch.

Aber wir vernehmen zunächst kaum eine Äußerung Basels über diesen Vorgang. Briefe an Colmar, an Straßburg, auch an Nürnberg sind erhalten, in denen der Rat das Geschehene mitteilt; er entschuldigt damit sein Fernbleiben vom Ulmer Reichstag. Nur die hastige Schrift scheint die Aufregung zu verraten.

Ende Junis und zu Beginn Julis nahm Burgund von dem Pfande Besitz; die Untertanen leisteten seinen Kommissären den Eid. Nur in einigen Herrschaften freilich, in Ensisheim Säckingen Laufenburg Waldshut mit dem Schwarzwalde; alles Übrige war schon von früher her an Dritte verpfändet — Rheinfelden an Basel, Isenheim Belfort Rosenfels und Delle an Peter von Mörsberg, Pfirt an Christoph von Rechberg, Altkirch an Heinrich von Ramstein, Thann an Heinrich Reich usw. — und Sigmund hatte die Vollmacht gegeben, diese Pfänder von ihren Besitzern zu lösen; der Betrag der Lösungssummen im ganzen wurde auf hundertachtzigtausend Gulden veranschlagt. Karl begann sofort mit der Lösung. Wie er schon am 23. Juni 1469 die Eidgenossen mit der Zahlung der im Waldshuter Frieden bedungenen zehntausend Gulden abgefunden hatte, so erwarb er 1470 Thann, betrieb er die Lösung Rheinfeldens, zog er Landser an sich usw.

Empfohlene Zitierweise:
Rudolf Wackernagel: Geschichte der Stadt Basel. Zweiten Bandes erster Teil. Helbing & Lichtenhahn, Basel 1911, Seite 54. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Wackernagel_Geschichte_der_Stadt_Basel_Band_2,1.pdf/75&oldid=- (Version vom 5.7.2016)