Seite:Wackernagel Geschichte der Stadt Basel Band 3.pdf/222

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einem Schüler Reuchlins, daher Dieser später den Copus als seinen Enkel im Geiste begrüßen konnte. Copus trieb aber namentlich das Studium der Medizin und wurde 1495 Doctor dieser Wissenschaft. Von da an gehört er Paris, wo Laskaris Erasmus Aleander ihn weiterbilden. Er wächst rasch zum berühmten Manne. Den Erasmus heilt er vom Quartanfieber, den Jacob Faber von der Schlaflosigkeit; dankbar nennt ihn Erasmus den princeps artis medicae und widmet ihm seine Ode über die Hinfälligkeit des menschlichen Lebens. Er ist Leibarzt der Könige Ludwig XII. und Franz I. Neben der Praxis einher geht seine wissenschaftliche Arbeit. In ganz bestimmtem Geiste. Die Bibliothek des Copus enthält Homer, die griechischen Rhetoren u. A. m. Er ist einer der humanistisch hochgebildeten Ärzte gleich Occo Leonicenus Linacre. Er übersetzt den Paulus Aegineta, den Galen, den Hippokrates. Was Andre für Dichter und Philosophen tun, tut er hier. Auch die klassischen medizinischen Autoren sollen das Licht ehemaliger Herrlichkeit wieder gewinnen, in ihrer ursprünglichen Kraft wirken können. Durch ihn „fängt auch die Medizin wieder zu sprechen an“. So ist er in seiner Disziplin ein „treuer Diener der Musen“, und seine immer wieder laut werdende Lobpreisung durch Erasmus bedeutet mehr als nur schöne Phrase. Copus ist in der Tat eine der reichen Gestalten jener Zeit; denn auch an ihm ist nichts Einseitiges, nichts schematisch Beengtes. Weit hinaus klingt sein Name. Sowohl Deutschland als Frankreich nehmen ihn in Anspruch, und Paolo Giovio stellt sein Bild in die Galerie der berühmten Männer.

Aber auch an Erasmus selbst ist hier zu denken. Wie er jetzt Basel gehört, wie die Niederlande und England ihn als einen der Ihren preisen, so hat er entscheidende Zeiten in Paris zugebracht; die Beziehungen zu den dortigen Gelehrten Budaeus und Jacob Faber begleiten ihn durch sein Leben.

Von der Universalität dieser Einzelnen hinweg führt uns wieder in die Heimat und ein engeres Dasein, was die einstigen Pariser Scholaren Amerbach Rhenan Hummelberg Sapidus usw. als Jugend- und Studienerinnerungen auszutauschen lieben. Die Jahrzehnte entlang tönen zwischen den gereiften und die Last der Arbeit tragenden Männern diese Exclamationen stets aufs Neue. Bis zum schönen Nachrufe Rhenans an Hummelberg, bei Edition der von Diesem hinterlassenen griechischen Grammatik.

Eine Spezialität innerhalb der französischen Beziehungen bilden die Büchersachen.

Vom Druck erasmischer Werke in Paris, von Büchersendungen, die aus Paris nach Basel und über diesen Umschlagsort weiter nach Osten gehen, ist viel

Empfohlene Zitierweise:
Rudolf Wackernagel: Geschichte der Stadt Basel. Dritter Band. Helbing & Lichtenhahn, Basel 1924, Seite 201. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Wackernagel_Geschichte_der_Stadt_Basel_Band_3.pdf/222&oldid=3403128 (Version vom 1.8.2018)