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die Rede. Wir lernen auch den Basler Buchhandel in Paris selbst kennen; wir hören von seinen Faktoreien in der Rue St. Jacques, die mit dem Baselschild und den Basilisken bezeichnet sind. Vor einem dieser Gewölbe sieht Pellican im Mai 1516 die soeben angekommenen Fässer liegen mit den frischen Exemplaren des Neuen Testaments der Basler Ausgabe. Hinter dem Allem stehen ein paar große Gestalten: der Verleger Jean Petit, der zu Zeiten die Pressen von nicht weniger als fünfzehn Druckereien beschäftigt; der gelehrte Drucker Jodocus Badius, überaus produktiv, Typograph des Erasmus und mit Rhenan befreundet; der Drucker Stephanus, dem Rhenan in jungen Jahren als Korrektor gedient hat.

Dieses Pariser Buchwesen ist eine Erscheinung voll Macht und Leben. Aber noch wichtiger für Basel ist seine römische Schwesterkolonie Lyon.

Schon als Druckort ist diese Stadt im Charakter ihrer Produktion verschieden von den durch die Sorbonne beherrschten Pariser Offizinen. Aber ihre Bedeutung ist noch viel allgemeiner. Über Lyon zieht neue italiänische Kultur in Frankreich ein. Großstädtisch geartet seit den Tagen, da es Hauptstadt des römischen Galliens gewesen, ist es jetzt einer der mächtigsten europäischen Handelsplätze. Hier entwickelt sich auch der größte Büchermarkt von Südeuropa. Dessen Verbindung mit dem deutschen Buchhandel aber geht über Basel, und dieses Basel selbst ist in allen Beziehungen des Buchgewerbes aufs engste mit Lyon verbunden; seinen Offizinen gibt die Lyoner Messe so gut die Termine wie die Frankfurter.

In Jean Grolier tritt die romanische Welt der Bücher den Baslern eigenartig entgegen; er ist der berühmte Bibliophile, der die schönsten Ausgaben sammelt und sich die schönsten Einbände anfertigen läßt, aber auch der liberale Gönner der Gelehrten, sodaß bei Diesen, wie Rhenan meint, Keiner ist, der den Namen Grolier nicht wie den eines Heiligen verehrt. Er selbst preist ihn als patronus musarum und widmet ihm eine seiner Editionen; auch von Erasmus haben wir einen Schmeichelbrief an den mächtigen Literatenfreund.

Hier ist aber namentlich zu reden von einigen Basler Figuren des Buchgewerbes.

Johann Schabler genannt Wattenschnee verbindet in seiner Person die Anfangszeiten des Buchgewerbes von Basel mit den jetzigen Zuständen. Er ist zugleich mit seinem Landsmanne Niklaus Keßler aus württembergisch Bottwar hier eingewandert und wird 1473 bei der Universität immatrikuliert. Aber schon frühe wendet er sich nach Frankreich. Seit 1483 ist er in Lyon nachzuweisen, als Drucker mit Martin Huß, gleichfalls einem Bottwarer,

Empfohlene Zitierweise:
Rudolf Wackernagel: Geschichte der Stadt Basel. Dritter Band. Helbing & Lichtenhahn, Basel 1924, Seite 202. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Wackernagel_Geschichte_der_Stadt_Basel_Band_3.pdf/223&oldid=3403129 (Version vom 1.8.2018)