Seite:Wackernagel Geschichte der Stadt Basel Band 3.pdf/227

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Inmitten dieses internationalen Treibens kommt für Basel hauptsächlich in Betracht Franciscus Julius Calvus, ein aus Como stammender, Anfangs in Pavia, später in Rom ansässiger Buchhändler. Ein Polytropos nach Alciats Bezeichnung; für den Geschmack des Rhenan hat er zu viel vom Aufschneider an sich. Aber er ist gewandt, unentbehrlich, im südlichen Buchhandelsverkehr ein so vielgebrauchter Mittelsmann wie der Flame Birkman im nördlichen. An Johann Froben macht er sich 1517 brieflich heran; er liebt ihn vom Hörensagen und möchte mit ihm Geschäfte machen. Dann 1518 kommt er selbst nach Basel und wird nun mit Erasmus bekannt; er besucht auch den Zasius im nahen Freiburg, in den „hercynischen Waldschluchten“, wie der fröstelnde Alciat spottet. Seitdem ist sein Verkehr mit den Baslern der übliche. Er schickt Desideratenlisten, er schickt Bücherballen zur Spedition an die Frankfurter Messe, er fahndet auf Bücher und Manuskripte für die frobenische Presse, er übernimmt Drucke Frobens zum Vertriebe. Da er auf seinen Reisen auch nach Paris, auch nach Löwen kommt, besorgt er Basler Briefe dorthin. Er bestellt Grüße des Rhenan an Grolier Alciat Benedetto Giovio Coelius u. A.


Wir sind vielen einzelnen Gestalten und Beziehungen auf oft ermüdenden Wegen nachgegangen und kehren zurück zu einem geschlossenen Bilde, zu der Einheit des Ortes, von dem alle die Kräfte ausgehen, zu dem sie alle strömen.

Basel gilt wieder als Zentrum, wie es in andrer Weise vor siebenzig Jahren zur Konzilszeit gewesen. Wir sehen das gewaltige Schauspiel, daß Ideen Antriebe Lehren, zum Teile der größten Art, hier sich regen und zu Leistungen werden.

Am sichtbarsten kristallisiert ist dieses Leben um die beiden Punkte, die Erasmus und frobenische Offizin heißen. Eine andere Vereinigungsstelle solcher Art wird auch neben Froben noch ansehnlich werden: Andreas Cratander.

Gemeinschaft des Gelehrten und des Druckers ist durchaus die Kraft dieses Lebens. Es ist das enge Verbundensein von isolierter und gemeinsamer Tätigkeit, von Arbeit in der Freiheit und im Betriebe, von Schöpfung und vervielfältigender Ausbreitung; überall unter dem Gesetz, aber auch unter der Weihe derselben hohen Tendenz.

Träger dieses Lebens ist eine eigenartige Gesellschaft. Sie stellt sich in einer Erscheinung dar, die mehr ist als ungestaltete Fülle. Dem gravitätischen Gebahren der Universität gegenüber findet auch die freie Wissenschaft eine Form, in der die Gemeinschaft ihrer Bekenner sich verkündigt.

Empfohlene Zitierweise:
Rudolf Wackernagel: Geschichte der Stadt Basel. Dritter Band. Helbing & Lichtenhahn, Basel 1924, Seite 206. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Wackernagel_Geschichte_der_Stadt_Basel_Band_3.pdf/227&oldid=3403133 (Version vom 1.8.2018)