Seite:Wackernagel Geschichte der Stadt Basel Band 3.pdf/25

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gestellt werden. Sie hatten mit dem Bunde zu leben. Und während robustere Genossen ihr Wesen auch in diesem Connexe noch zur Geltung zu bringen vermochten, blieb dem feiner und schwächer gearteten Basel hier eine entscheidende Autorität versagt.

Die Geschichte unserer Stadt folgt fortan derjenigen des Bundes über Höhen und Tiefen. Wie die städtische Existenz, so ist das Leben jedes Einzelnen durch das Dasein der Eidgenossenschaft mit berührt. Der Bund bindet und verpflichtet Jeden, der in Basel wohnt. Er wird Volk und Behörden periodisch dargestellt, neu erwahrt und bekräftigt als ein auf das ganze Leben wirkendes Recht.

Nach dem Bundesbriefe sollte er von fünf zu fünf Jahren durch Beschwörung erneuert werden, und zwar, da Basel vollberechtigtes Ort war, durch gegenseitige Beschwörung. Sie war gegenseitig und umfassend in der Weise, daß zur gleichen Zeit hier in Basel und in den andern Orten der Basler Bund und die Bünde der andern Orte von allem Volke beschworen wurden. Zu dieser Staatsaktion ritten die Basler Gesandten jeder an den ihm zugeteilten Ort der Eidgenossenschaft, um die Eide zu leisten und abzunehmen, während die Gesandten der Orte nach Basel kamen und hier dasselbe taten. Wieder wie am Heinrichstage des Jahres 1501 war jeweilen Gottesdienst, feierliche Eidesleistung auf dem Markte, solennes Bankettieren. Am 11. Juli 1507, am 28. Juni 1514, am 4. Juli 1520, am 29. Juli und 30. September 1526 fanden diese Bundeserneuerungen hier statt.

Fröhliche Gegenstücke dieser ernsten Schwörtage waren die eidgenössischen Fastnachten und Besuche. Keine freizufälligen Veranstaltungen, vielmehr meist im Zusammenhange mit politischen Beziehungen stehend oder dazu bestimmt, in Zeiten gemeinsamer Bedrängnis den Trost gemeinsamer Freude zu bieten. Basel empfing solche Besuche 1504 und 1521, jeweilen zur Fastnachtzeit, im Januar. Das erste Mal scheint es sich nur um eine Gruppe junger Zürcher gehandelt zu haben; das Eigenartige dabei war die Kostümierung dieser Herren in den „Zeichen und Farben“ der zwölf Orte. Was demgegenüber den Fastnachtbesuch von 1521 auszeichnet, war die Überschwänglichkeit in Umfang und Aufwendung. Aber auch die große Lustfahrt der Basler nach Uri zu Schützenfest und Kirchweih im September 1517 gehört in diese Reihe. Und ebenso das in Parodie des feierlichen Staatsgeschäftes gespielte Fritschifest im Herbste 1508. Einige übermütige Basler hatten den Luzernern „ihren ältesten Burger“ Fritschi, eine Fastnachtpuppe

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Rudolf Wackernagel: Geschichte der Stadt Basel. Dritter Band. Helbing & Lichtenhahn, Basel 1924, Seite 4. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Wackernagel_Geschichte_der_Stadt_Basel_Band_3.pdf/25&oldid=3403158 (Version vom 1.8.2018)