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Satzger. Nicht Erasmus vertrieb den Farel. Dieser war dem damaligen Basel unerträglich.

Mit dieser wälschen Invasion drang zum ersten Mal ein großes anders geartetes Element in das Dasein der Basler Evangelischen, mit Farel zum ersten Mal ein für uns sichtbarer Anlaß zu Hader innerhalb der Partei. Die Differenzen kamen hauptsächlich von persönlichem Sein und Sichbenehmen, hatten weniger mit der Lehre zu tun.

Aber zur gleichen Zeit mußte die junge Basler Gemeinde auch schon die Schwierigkeiten entschiedener Abweichungen innerhalb der Gemeindeordnung und Doktrin durchmachen. Sie bekam zu tun mit „Falschevangelischen“, auch mit „Allzulutherischen“; altgläubige Zuschauer nahmen wahr, daß sich bei den Evangelischen Sekten zeigten, „noch verwerflicher als die lutherische“. In verschiedenen Gestaltungen und mit verschiedenen Zielen drängten radikale Geister, mystische Gesinnungen vor; täuferische Zirkel bildeten sich; mannigfache Schwärmer bekannten eine unmittelbare Gegenwartsoffenbarung Gottes im Geiste.

So vernehmen wir von Dem und Jenem, der damals hier lebte oder agitierend herein kam. Johann Denk arbeitete 1523 als Korrektor bei Cratander, dann bei Curio. Simon Stumpf hoffte hier eine Tätigkeit zu finden. Auch den Druck von Schriften Clemens Zieglers beachten wir, ebenso die Anwesenheit des Felix Manz. Mit Macht strömten neue Ideen herein durch Thomas Münzer und Balthasar Hubmaier, die im Winter 1524/25 sich hier aufhielten. Es waren vorbeigehende Erscheinungen; aber wir haben zu rechnen mit der persönlichen Gewalt solcher Männer über Einzelne. Auf besondre Weise endlich mengt sich in dieser Frühwinterzeit 1524 Karlstadt in die Basler Zustände. Seine Forderungen kirchlicher Reform ungestüm vertretend hat er in Wittenberg neben Luther Geltung gewonnen, sich dann aber unmöglich gemacht, sodaß er im September 1524 aus Sachsen ausgewiesen wird. Auch Straßburg will ihn nicht dulden. Im November ist er in Basel, nur rasch und als ein heimlicher Gast. Mit Ökolampad kommt er nicht zusammen. Aber überall hin in die Nebengebiete dringen seine Gedanken und Anregungen; er gewinnt Berührungen mit den Täufern, mit Anemond de Coct u. A. So kurz er in Basel weilt, so stark ist die Erregung, die er hinter sich läßt durch die Traktate, die ihm Thomas Wolf und Bebelius drucken und in denen er seine Vielen anstößige Abendmahlslehre entwickelt; die beiden Drucker werden durch den Rat getürmt. Im Dezember 1524 weilt in Basel auch der den sektiererischen Bewegungen nahe stehende Martin Borrhaus (Cellarius).

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Rudolf Wackernagel: Geschichte der Stadt Basel. Dritter Band. Helbing & Lichtenhahn, Basel 1924, Seite 354. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Wackernagel_Geschichte_der_Stadt_Basel_Band_3.pdf/375&oldid=3403292 (Version vom 1.8.2018)