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Lebens. Deutlich ist zu fühlen, wie im Bereiche der Wissenschaften der anregende Kampf und der Enthusiasmus früherer Jahre in der Hauptsache vorüber und jetzt das ruhige Übernehmen Brauchen und Verwerten Dessen gegeben ist, was die Vorgänger gewonnen haben. Buchdruck und Verlag stehen unter der unmittelbaren Wirkung dieses Wandels; nur Ein großes Neues macht sich geltend: die zu Reformation und Gegenreformation gehörende Literatur.


Eigenartig und den Gesamteindruck kaum mitbestimmend ist die Gruppe der wälschen Buchhändler.

An ihrer Spitze steht der uns zur Genüge bekannte Johann Schabler genannt Wattenschnee. Was sie treiben, erscheint wie Weiterführung und Ausbau des von Schabler schon vor Jahrzehnten auf französischem Boden Begonnenen. Dieser Schwabe ist darüber selbst beinahe zum Franzosen geworden und gilt als solcher nun auch in Basel, wo er seit dem Ende der 1510er Jahre festeren Fuß gefaßt hat. Er wohnt hier im Hause zum roten Ring am Fischmarkte (Nr. 9), mit seiner Frau Claudia Vaugri, in stattlichem Haushalte; später besitzt er den vordem lachnerischen Renkenhof an der Spiegelgasse (Nr. 2).

Er ist der alte Praktikus des Gewerbes, ein „Buchherr“; er treibt Verlagsgeschäfte und hat einen Verkaufsladen in Basel. Aber von früher her hat er auch noch seine Faktorei in Lyon, à l'écu de Bâle, die ihm Michel Parmentier und Jean Vaugri als Geschäftsführer besorgen. Nach allen Seiten in seiner Familie hin hat Wattenschnee Beziehungen zu Buchgewerbsleuten. Sein Vetter ist Andres Wingarter der „Buchkäufer“, der in Basel ein- und ausgeht, aber auch seine Filiale in Paris hat. Sein Schwestersohn ist der uns bekannte Konrad Resch.

Wie Wattenschnee nach Lyon weist, so Resch nach Paris; dort an der Ecke der Straßen St. Benoît und St. Jacques ist seine Geschäftsstelle sub scuto Basiliensi; er nennt sich geschwornen Buchhändler der Universität Paris. Als Verleger läßt er dortige Drucker arbeiten. Aber auch in Basel besitzt er sein Haus; erst am alten Rindermarkte, dann am Fischmarkt.

In dieselbe Sippe gehören die Brüder Vaugri aus Charlin bei Lyon, als Vettern der Claudia, der Frau Wattenschnees.

Hans Vaugri begegnet uns hauptsächlich im Lyoner Geschäft und auf den Reisen für dieses; in Basel kauft er 1526 mit seinem Gemeinder Michel Parmentier das Haus Fuchsberg unter den Becherern (Freiestraße Nr. 2). Im Herbste 1527 nach Paris reisend, stirbt er unterwegs; Froben Cratander Curio Wattenschnee sind unter seinen Kreditoren.

Empfohlene Zitierweise:
Rudolf Wackernagel: Geschichte der Stadt Basel. Dritter Band. Helbing & Lichtenhahn, Basel 1924, Seite 444. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Wackernagel_Geschichte_der_Stadt_Basel_Band_3.pdf/465&oldid=3403391 (Version vom 1.8.2018)