Seite:Walter Benjamin Einbahnstrasse.pdf/46

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LOGGIA

GERANIE. Zwei Menschen, die sich lieben, hängen über alles an ihren Namen.

KARTHÄUSERNELKE. Dem Liebenden erscheint der geliebte Mensch immer einsam.

ASPHODELOS. Wer geliebt wird, hinter dem schließt der Abgrund des Geschlechts sich wie der der Familie.

KAKTEENBLÜTE. Der wahre Liebende freut sich, wenn der geliebte Mensch streitend im Unrecht ist.

VERGISSMEINNICHT. Erinnerung sieht den geliebten Menschen stets verkleinert.

BLATTPFLANZE. Tritt ein Hindernis vor die Vereinigung, so ist alsbald die Phantasie eines wunschlosen Beisammenseins im Alter zur Stelle.


FUNDBÜRO

VERLORENE GEGENSTÄNDE. Was den allerersten Anblick eines Dorfs, einer Stadt in der Landschaft so unvergleichlich und so unwiederbringlich macht, ist, daß in ihm die Ferne in der strengsten Bindung an die Nähe mitschwingt. Noch hat Gewohnheit ihr Werk nicht getan. Beginnen wir erst einmal uns zurechtzufinden, so ist die Landschaft mit einem Schlage verschwunden wie die Fassade eines Hauses wenn wir es betreten. Noch hat diese kein Übergewicht durch die stete, zur Gewohnheit

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Walter Benjamin: Einbahnstrasse. Rowohlt, Berlin 1928, Seite 48. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Walter_Benjamin_Einbahnstrasse.pdf/46&oldid=- (Version vom 9.6.2018)