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Kanzeln ohnehin gepredigt! Wozu also noch eine besondere Absolution?“

 Darauf diene zur Antwort: Wenn auch gleich keine Gründe angegeben werden könnten, warum der HErr so oder so verfährt, so haben wir doch gesehen, daß der HErr Seinen Dienern geboten hat, zu absolvieren und zu binden, also der Menge der Christen, sich absolvieren zu lassen, und auf der Diener Wort, als auf Sein eigenes Wort zu trauen – und wer also immer ein gehorsames Kind Gottes ist, muß ohne weiters gehorchen und aus der Erfahrung lernen, was es um die Absolution ist. Denn wahrlich, es ist dies Gebot des HErrn erprobt als eine leichte Last und ein sanftes Joch, das sicherlich auch die Verheißung hat: „Ihr werdet Ruhe finden für eure Seelen!“ – Mit dieser Antwort könnte ein frommer Mensch genug haben.

 Damit wir aber angefochtenen Gemütern beispringen, fügen wir hinzu, was folgt:

 Es ist wohl wahr, daß in der h. Schrift die Vergebung der Sünde geschrieben ist, und daß sie auf allen oder, ohne Übertreibungen zu reden, auf manchen Kanzeln gepredigt wird, und unangefochtene, sichere Seelen haben damit genug. Aber wie dann, wenn die Augen aufgehen, wenn man nach langem Stande der Sicherheit sich plötzlich an einem Abgrund auf schmalem Steige wandeln, in höchsten Gefahren schweben sieht, wenn einem seine Sünden und als Lohn derselben der drohende ewige Tod

Empfohlene Zitierweise:
Wilhelm Löhe: Einfältiger Beichtunterricht für Christen evangelisch-lutherischen Bekenntnisses. Kommissionsverlag der Buchhandlung der Diakonissenanstalt, Neuendettelsau 1900, Seite 56. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Wilhelm_L%C3%B6he_-_Beichtunterricht_(4._Auflage).pdf/58&oldid=- (Version vom 17.7.2016)