Seite:Wilhelm Löhe - Zum Gedächtnis meines Pathenkindes Lorenz Wilh. Friedr. August Kündinger.pdf/17

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ein schrecklicher ist! Es ist zwar auch manche Krankheit schrecklich, aber doch ist zwischen dem Tod an einer schrecklichen Krankheit und dem, welcher aus Menschenhänden schrecklich kommt, ein großer Unterschied. Ist die Krankheit noch so schrecklich, man fühlt sich oder die Seinigen doch in Gottes Hand, und von Gottes Händen sterben ist Gottes Ordnung, welche etwas Friedliches hat; aber von Menschenhand sterben? Es geschieht auch das nicht ohne Gottes Vorsehung und Willen, aber es soll doch nach Gottes fünftem Gebot der Mensch nicht durch Menschenhand sterben: es hat etwas Grauenhaftes und daß es ein Unglück, ein großer Jammer sei, das wäre damit nicht weggeleugnet, daß es nach Gottes Vorsehung und Willen geschah. Ja, ja, es ist schon ein Jammer, ein großer Jammer, daß mein August so jung, so plötzlich, so schrecklich gestorben ist, – und dazu so fern, so fern! Hätten den sinkenden Vaterarme, Mutterarme faßen können; hätte ihn Vater- und Muttersegen in’s Sterbebette gelegt; hätte er’s empfinden dürfen, wie’s ist, wenn man von der Mutter getröstet wird, – ach ja, hätt’ er den Trost empfangen, den der höchste Tröster in den Worten preist: „Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet“; und hätte ihn Vatersegen und Muttergebet aus dem Leben hinausgeleitet in die Ewigkeit; hätten Vater- und Mutterhände die jungen Augen zugedrückt: – wollen wirs nur gestehen, Freunde, es wäre das alles ein Tropfen Trostes für den Wermutskelch gewesen! Aber das war eben nicht, das süße Sterbensglück hatte mein August nicht – und die Eltern hatten auch das Glück der letzten Pflege nicht. Ach, sie sind wahrlich auf einmal recht verarmt: vor wenig Tagen hatten sie noch einen Sohn und für ihn ein Herz voll Hoffnung, und nun ist sein Leben aufgeräumt, wie eines Hirten Hütte, – seine Stätte kennt ihr nicht mehr, – nichts bleibt übrig, als was Jacob von Joseph übrig bleibt: ein blutig Kleid.

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 So ist’s, aber ich will in starken Gegensätzen reden,