Seite:Wilhelm Löhe - Zum Gedächtnis meines Pathenkindes Lorenz Wilh. Friedr. August Kündinger.pdf/7

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sorgfältig für seine Umgebung – und im Gedächtnis der Seinigen steht manche Einzelheit unaustilgbar geschrieben, die tröstlich nachweist, daß Augusts letzte Stunden heilige, gesegnete Stunden waren.

 In der Nacht jedoch bemerkte man am Kranken ein schnelles Hinsinken der Lebenskräfte, und nach Mitternacht, gegen 4 Uhr hin verfiel er in ein Delirium, während dessen er ganz sanft die junge Seele in JEsu Hände übergab. Hier im Leibe hatte sie 14 Jahre, 7 Monate und 24 Tage gelebt.

 Als die Aerzte den Leichnam secirten, fanden sie die Todeswunde auf der rechten Seite, einen halben Zoll von der Herzgrube entfernt. Sie betrug den Durchmeßer eines halben Kronenthalers. Die 6. Rippe war durch den Schuß zerbrochen, die Splitter waren einwärts getrieben. Der Schußkanal erstreckte sich durch die untere Spitze des großen Lungenlappens, von da durchs Zwergfell und mündete in die darunter liegende Leber ein. Drei Zoll tief fand man 28 Hühnerschrote nebst den zwei Papierpfropfen. Die Entfernung, in welcher August beim Schuß von der Mündung des Feuergewehrs stand, betrug kaum drei Schritte; die Schrote konnten sich daher nicht auseinandertheilen und bildeten so den langen Schußkanal und die so tiefe Wunde. –

 Während die Aerzte die Section vornahmen, war Herr Senior Nürnberger nicht zu Hause. Er war bald nach erfolgtem Tode nach Petersaurach geeilt, um das bittere Geschäft, den Eltern Augusts eine solche Nachricht zu hinterbringen, zu vollführen. Die Eltern entschloßen sich, den Leichnam hieher bringen zu laßen, und die tiefbetrübte, sehnsuchtsvolle Mutter glaubte in der letzten Bemühung, die sie mit dem Begräbnis ihres Sohnes hätte, eine Art von Beruhigung zu finden. Als aber Herr Senior Nürnberger wieder zurück nach Altheim kam, ruhte Augusts Leichnam schon am Pfarrhaus, im kühlen Grabe. Die Umstände hatten eine schnelle Beerdigung erheischt – und