Seite:Wilhelm Löhes Leben Band 1 (2. Auflage).pdf/113

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Händlein zum Herzen, that einen Seufzer und verschied. Am 16. Abends war ich, wie gewöhnlich, bei meiner lieben Schwester, die Leute brachten viele schöne Blumen in den Sarg unseres Conrads, – und war ein prächtiger Abend. Ich hatte (anstatt einer Leichenrede) meiner Schwester über ,Die da weinen, als weineten sie nicht‘ Etwas geschrieben, und weil mir über’m Schreiben aus Lucas 18, 15–17 und Jesaias 49, 15 ein helles Licht über der Kinder Seligkeit erschienen war, war ich froh.

 „Am 17. Morgens regnete es. Meine Schwester gieng mit ihrer Elise auf den Kirchhof und schmückte ihrem Kinde sein Bettlein. Ich war Tags vorher schon draußen und fand alle weißen Rosen blühend, alle rothen abgefallen oder faul. Nach Tisch um 1 Uhr sollte die Leiche sein. Ich fand das Kind in seinem Särglein schön, wie einen Engel, liegen. Zu Häupten unter ausgelöschten Lichtern das Bild dessen, der für die Lämmer, wie für die Schafe ein guter Hirte worden ist im Blut des ewigen Testamentes. Auf dem Angesicht des Knaben, das weiß war, wie der Schnee, und so kalt, war es, wie ein heiliges Geheimnis, und sein Mund lächelnd fest geschlossen, als dürfe er, was ihn so selig mache, nicht sagen. Sein Kleidlein war weiß, als wär’s im Blut des Lammes gewaschen, und in seinen schönen vollen Händen hielt er ein Sträußlein Blumen, als wollt’ er’s verächtlich wegwerfen. Kurz, es war ein schönes Todtenbild. –

 „Nun fieng’s bald an zu läuten. Man packte Blumen und Alles in den Sarg, schraubte zu, deckte das Leichentuch darüber, und trug ihn heim. Das durchschauerte meine Schwester doch; aber St. Pauli: ,Der Tod ist verschlungen in den Sieg!‘ gab ihr ihre Stille wieder. –

 „Ich gieng hinaus und half den Schülern singen: ,Begrabt