Seite:Wilhelm Löhes Leben Band 1 (2. Auflage).pdf/120

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Fertig. Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle korrekturgelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.

 und:

„Erwäg’ ich blos, wie krank ich bin,
So schreit ich durch die Fluren hin
Voll Gram, verwünsch mein Wesen.
Doch hier und da ein kleines Kraut,
Dem Kranken heilsam, sagt mir laut:
Gott will, ich soll genesen!“

 „Außerdem, sage ich, daß ich nicht mehr allein ans Futter für’s Vieh denke, sondern an meine Kranken, die ich besuche, daß ihre Arzeneien auf den Fluren wachsen, und daß, was dem leiblichen Schaden gut ist, eine Predigt ist von der ewigen Genesung unserer Seelen; – außerdem scheidet auch mein leiblich Auge Kraut von Kraut und Gras von Gras, und ich verstehe das wunderbare ‚leminehu‘ (d. h. nach Seiner Art. 1. Mos. 1) mit seiner liefen Gottesweisheit besser, als sonst, – oder eigentlich, ich verstehe es weniger, als sonst, und nicht, sondern staune, bete an und spreche: ,Wie sind Deiner Gedanken so gar viele!‘ Vor acht Tagen dachte ich nämlich, daß es beim Spazierengehen besser sei, an die Pflanzen, als an die Luftschlösser zu denken, nahm den kleinen Schubert in die Tasche und fieng an, die Botanik im Schatten hinter dem weißen Häuslein auf dem Weinberg zu lesen, ich lernte da, an den Blumen und Blüthen nach Staubfäden, Blättern etc. unterscheiden (weiter Nichts) und konnte es auf dem Heimwege wirklich nicht glauben, daß Gott all’ diese Blümlein, deren doch jedes anders war, sollte gemacht haben, bis ich’s glauben und Seiner Weisheit und Gnade darüber heimlich Dank sagen konnte. Und nun geh’ ich seitdem nicht spazieren, ohne ein neues Blümlein oder Kraut zu finden und eine neue Freude:

„Ach, denk ich, bist Du hier so schön
Und lässest’s uns so lieblich gehn
Auf dieser armen Erden;