Seite:Wilhelm Löhes Leben Band 1 (2. Auflage).pdf/36

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Sitten schon auch angefressen, und der heillose Geist der damaligen Fürther Schule war auch meiner Seele gefährlich. Es ist des HErrn Treue, daß ich nicht wie manche meiner Kameraden schon auf der Schule an Leib und Seele verderbt wurde.

 Die Macht der Musik, welche so manche bei dem Edlern erhalten hat, habe ich zwar wohl erfahren; ich war ihren Einflüssen allezeit offen. Ich wäre auch gerne je und je recht musikalisch gewesen, ich wurde es aber nie. Von meinem siebenten bis achtzehnten Jahre habe ich – andauernder oder unterbrochener – Unterricht im Violinspielen gehabt, aber ohne Erfolg. Ich spiele gar nicht und zwar seit Jahrzehnten. Die Stube meines Musiklehrers, in welcher ich Unterricht empfieng, hatte ein Fenster auf den Fluß. Da sah man die Fische im Wasser spielen, jenseits des Wassers eine Bleichanstalt mit ihren stillen Eindrücken. Wenn ich nun ein „Stückchen“ gegeigt hatte, durfte ich einige Blicke ins Wasser, auf die Bleiche thun. Hatte ich falsch gegriffen oder nicht Tact gehalten, so mußt ich das Stückchen wiederholen und allenfalls nochmal wiederholen, ohne daß ich hinaussehen durfte. Welch eine Pein war mir das! Wie grimmig wurde ich da manchmal, daß ich auch mit den Absätzen der Stiefel dröhnenden Tact schlug. Und wenn sie aus war, die peinvolle Stunde, wie gern trug ich dann mein kleines Geiglein, ein über 100 Jahre altes Meisterstück des alten Lauten- und Geigenmachers zu Nürnberg, Matth. Hummel, wieder heim. – Kurz, ich war nicht und bin nicht musikalisch, lobe aber die edle Gabe der Musik mit desto brünstigerem Verlangen.

 Der Religion war ich ergeben. Ich ließ die andern Knaben reden und gieng in jeden Gottesdienst. In Fürth wird alle Sonntage früh 8 Uhr zum Sacrament geläutet, die